
Die Grünbrache an der Ellhornstraße war seit Jahrzehnten ein Unort. 9200 Quadratmeter Niemandsland, das man bestenfalls im Vorbeifahren wahrnimmt. Die Stipendiaten des Labors haben sich vorgenommen, die ehemaligen Eisenbahnergärten zu einem Treffpunkt für die Bürger zu machen. Bei der Präsentation der Ergebnisse wurde deutlich, dass es nicht darum geht, die Brache mit Riesenaufwand aufzumöbeln, sondern die verborgenen Reize dieses vergessenen Fleckchens mit wenigen Eingriffen wieder sichtbar zu machen.
Bei der Präsentation der Ergebnisse machten die jungen Gestalter deutlicher, wie Ideen für die Brache aus dem Vorhandenen heraus entwickelt wurden. So sollen Reste eines früheren Bahnsteigs zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft werden. Überbleibsel der früheren Parzellenteilung möchten die Designer beranken, die Säulen einer ehemaligen Gartenbegrenzung bekommen Objektcharakter, ein höher gelegener Platz wird zu einem Aussichtsplatz.
Nach Überzeugung von Prof. Ulrich Exner, der die jungen Gestalter bei ihrem Projekt betreut und angeleitet hat, ist der Umgang mit der Brache exemplarisch für die künftige Arbeit von Stadtentwicklern. Die würden sich angesichts schrumpfender Einwohnerzahlen nicht mehr mit Wachstum und Neubauprojekten beschäftigen. Stattdessen gehe es darum, Industriebrachen und anderen verlorenen Orten in der Stadt eine neue Bestimmung zu geben. Wenn es sein muss, auch durch eine Zwischennutzung: „Grundsätzlich sollte es darum gehen, mehr Lebensqualität in die Stadtteile zu bringen“, sagt Exner. Am besten geeignet seien dafür „interdisziplinäre Teams“, deren Mitglieder ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. „Ausschlaggebend für den Erfolg ist die Beteiligung der Bürger am Planungsprozess.“
Die zeigten sich sehr interessiert an dem Projekt und wollen dazu beitragen, dass es nicht nur auf dem Papier sondern auch in der Realität ein Erfolg wird. Der benachbarte Kindergarten und die Gorch-Fock-Schule haben großes Interesse daran, ihren Kindern dort die Natur näher zu bringen. Mitglieder der Stadtteilkonferenz befreiten die Brache am Wochenende vom Müll. Seestadt-Immobilien veranlasste den Schnitt der Bäume und ließ auf den Wegen Rindenmulch aufschütten. Zurzeit wird der Boden auf Verunreinigungen untersucht. Wenn dabei nichts Bedenkliches gefunden wird, steht der Umsetzung der Planung nichts mehr im Wege.
„Wir brauchen Kümmerer“, meinte Jochen Hertrampf vom Kulturladen. „Vielleicht ist es sinnvoll, einen Verein zu gründen.“ Im April soll eine Dokumentation als Broschüre erscheinen. Labor-Leiterin Anne Havliza: „Wir hoffen, dass das Projekt noch lange nachwirken wird.“

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