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Springsteen für die „Green Knights“


Bremerhaven. Bei dem einen ging sie 1988 bei einem Feuer in Rauch auf. Beim anderen ersoff sie vor ein paar Jahren in den Fluten eines Rohrbruchs: Der Verlust ihrer Plattensammlung war für „Blacky“ und „Ziege“ einer der schwärzesten Tage ihres Lebens. Beide Discjockeys und Barbesitzer. In einer Zeit, als die neue Rockmusik zum Soundtrack einer neuen Generation wurde. Von Rainer Donsbach


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Im „Moustache“ stand Bernd „Ziege“ Künnmann (weißes T-Shirt) hinter der Theke und den Plattentellern. Danach machte er sich mit dem „Ziegenstall“ (später „Larifari“) in der Wülbernstraße selbstständig und führte dort die Disco hinterm Tresen und die „Gesichtskontrolle“ ein. Fotos pr

Bernd „Ziege“ Künnmann stand im legendären „Moustache“ in der Sonnenstraße schon hinter den Plattentellern, als es noch „Disco-Club“ hieß und von dem Cuxhavener Gastronomen Wetjen betrieben wurde. „Die Leute standen da in Dreier- und Viererreihen vor dem Tresen“, erinnert sich der immer noch drahtige 65-Jährige an jene Zeit. „Eine Goldgrube, die Kohle wurde da kartonweise rausgeschleppt.“ Zu den Gästen gehörten auch viele Amerikaner. „Hauptsächlich Weiße, die Schwarzen waren bei Chico.“

Als Paul Steffens die dann bereits „Moustache“ getaufte Musikkneipe 1973 übernahm, gehörte „Ziege“ wieder zu den Discjockeys. Auf den Plattenteller kam nur die progressive, neue Rockmusik – Cream, Hendrix, Led Zeppelin, Jethro Tull und Co. „Keine kommerziellen Sachen“, wie sein Freund Detlef „Blacky“ Schwarz versichert: „Wenn ,Hey Joe‘ gespielt wurde, brannte der Baum.“

Derselbe Sound prägte dann auch den „Ziegenstall“ in der Wülbernstraße, mit dem Künnmann sich 1979 selbstständig machte. Ein kleiner Eckladen schrägt gegenüber vom „Blinkturm“ und in unmittelbarer Nähe zum „Kraftwerk“, 55 Quadratmeter groß, wo die ganze Nacht hindurch, oft bis zum nächsten Mittag Alarm war. „Da kamen alle, die Wirte, die Rockfans, die Taxifahrer, die Luden, die Mädchen. Ab drei, vier Uhr morgens ging das richtig zur Sache. Trotzdem hatten wir ganz wenig Stress.“

Strenge Gesichtskontrolle

Das lag auch daran, dass „Ziege“ von Anfang an die „Gesichtskontrolle“ einführte. „Auf wessen Empfehlung kommen Sie?“, fragte er Gäste, die ihm irgendwie schräg vorkamen. Aus Holland hatte er das Konzept der „Disco hinterm Tresen“ mitgebracht. So behielt er auch als Barkeeper das Musikprogramm selbst in der Hand.

Zuvor hatte ihm sein Automatenaufsteller eine Musikbox in den Laden gestellt. „Da gab’s dann Leute, die im besoffenen Kopf immer wieder „Weiße Rosen aus Athen“ gedrückt haben. Damit musste ich Schluss machen.

„Blacky“ übernahm die inzwischen auf „Larifari“ umgetaufte In-Kneipe 1983 und führte das Konzept erfolgreich fort. Das Musikprogramm wurde flexibel auf einzelne Gäste zugeschnitten. Wenn die Motorradrocker „Green Knights“ reinkamen, kam flugs „Born in the USA“ von Bruce Springsteen auf den Plattenteller, wozu sich trefflich mitgrölen und die Fäuste recken ließ: „Da hob das Dach ab. Für die Rotlichtszene war dann Soul angesagt, alles mit Niveau, keine Top 40.“

Als das „Larifari“ 1988 „von Konkurrenten abgefackelt wurde“, wie Schwarz noch heute vermutet, ging eine Ära zu Ende. Seine 500 LPs waren zu einem Klumpen geschmolzen. „Die habe ich draußen in einen Container werfen müssen. Ein ganz bitterer Moment.“ Er sei dann noch zwei, drei Tage mit einem Strick um den Hals rumgelaufen, sagt „Blacky“ und meint das keineswegs scherzhaft. Dann zog er einen Strich unter sein Kneipendasein und suchte sich einen Job im Hafen. Das „Larifari“ war eine Zeit lang ein Kiosk. Dan wurde die Eingangstür zugemauert. Heute ist es eine Wohnung.

Letzter Blick in den Spiegel: „Blacky“ Mitte der 80er Jahre auf dem Weg zur Arbeit, der Silvesterparty im „Larifari“.

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Im „Moustache“ der 70er Jahre: Inhaber Paul Steffens mit Barfrau Irmi und dem eleganten Schlipsträger „Heinzi“.
Artikel vom 22.04.10 - 06:00 Uhr
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