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„Sicherheit hat nicht gelitten“

Bremerhaven. Mitte der 90er Jahre hatte die Ortspolizeibehörde Bremerhaven fast 600 Mitarbeiter, jetzt sind es nur noch 460. Damit muss die Polizei mit fast einem Viertel weniger Personal auskommen. Über die Folgen sprach mit Polizeidirektor Harry Götze unsere Redakteurin Denise von der Ahé.

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Ein wachsames Auge auf Märkte : Die Polizei will auf der Straße präsent sein, sagt Polizeichef Harry Götze. Foto map

Sie mussten 140 Stellen abbauen. Sinkt dadurch die Sicherheit?

Nein, die Sicherheit der Bürger hat nicht gelitten. Dass wir 140 Stellen abbauen mussten, war ein politischer Beschluss. Wir haben große Anstrengungen unternommen, um das intern abzufedern. Die Reform war einschneidend, aber leise.

Wo fehlt das Personal?

Wir haben zunächst im Nichtvollzugsdienst gespart, also bei den Tarifbeschäftigten und den Verwaltungsbeamten. Auch organisatorisch ist viel passiert: Wir haben zum Beispiel die Werkstatt ausgegliedert und Abteilungen zusammengelegt. Es gibt nur noch zwei Reviere der Schutzpolizei mit den Außenstellen Mitte und Leherheide. Die wollen wir unbedingt erhalten.

Wird auch bei der Schutz- und Kriminalpolizei gespart?

Ja, vor allem bei der Schutzpolizei um mehr als zehn Prozent. Weil wir in der Vergangenheit polizeifremde Aufgaben oft mit Angestellten besetzt haben, mussten wir überproportional sparen. Denn die Sparquoten gelten für den Nichtvollzugsdienst, also für alle Mitarbeiter außer Schutz- und Kriminalpolizisten. Wenn das so weitergeht, müssen manche Aufgaben in der Verwaltung Vollzugsbeamte übernehmen. Die fehlen dann auf der Straße.

Wie spürt das der Bürger?

Im Augenblick glaube ich, dass der Bürger das noch nicht zu spüren bekommt. Das ist dem Engagement der Mitarbeiter zu verdanken. Für jeden Einzelnen hat die Arbeit enorm zugenommen. Priorität genießt derjenige, der bei der Polizei um Hilfe ruft.

Wie lange können Sie das noch halten?

Wenn wir den Standard halten wollen, ist nun die Grenze erreicht. Wir möchten auf der Straße präsent sein, damit der Bürger das Gefühl hat: Wir sind bei ihm. Durch die Arbeitsverdichtung ist unsere Präsenz aber heute schon zurückgegangen. Das möchten wir aber nicht. Gleichzeitig nimmt der Ermittlungsaufwand immer mehr zu. Das Personaltief kommt 2012: Dann werden 20 Polizeibeamte fehlen, weil wir mehr Abgänge als Einstellungen hatten. Erst 2014 wird es besser.

Die CDU schlägt eine Landespolizei vor, um zu sparen. Was halten Sie davon?

Ich sehe da kein Sparpotenzial. Der Ansatz einer kommunalen Polizei ist für die Sicherheit der Bürger der beste. Wir sind vor Ort optimal vernetzt. Unsere Ziele wären mit einer anderen Organisation schwieriger zu erreichen.

Was braucht eine moderne Polizei in der Zukunft?

Wir brauchen verlässliche Aussagen der Politik für genügend Personal und Sachmittel. Ich möchte, dass die Mitarbeiter mehr auf der Straße sind und noch weniger am Computer. Wir müssen die Öffnungszeiten der Reviere und die Präsenz auf der Straße noch stärker auf die Bedürfnisse der Menschen abstimmen.

Was wollen Sie noch verbessern?

Die Reform geht weiter. Wir stellen unsere Aufgaben ständig auf den Prüfstand. Man kann sich zum Beispiel fragen, ob wir bei jeder kleinen Veranstaltung präsent sein müssen. Außerdem haben wir immer im Blick: Wie verändert sich die Stadt? Wir müssen uns zum Beispiel auf die neuen Touristenströme in den Havenwelten einstellen.

Der Krankenstand ist gestiegen. Eine Konsequenz aus dem Personalabbau?

Eine Ursache kann die Arbeitsverdichtung, aber auch das höhere Durchschnittsalter sein. Das liegt heute bei 45 Jahren. 2009 hatten wir 36 000 Einsätze, in den 90ern waren es 8000 weniger pro Jahr. Auch der Widerstand gegen Polizeibeamte nimmt zu: 2009 gab es 82 Taten. Der Job auf der Straße ist nicht einfach. Daher unterstützen wir die Polizisten zum Beispiel mit einer sozialen Fachberatung.

Artikel vom 13.03.10 - 12:00 Uhr
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