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„Seitdem nie wieder Haarspray benutzt“

Bremerhaven. In den Achtzigern als Mitglied der Band Style sah er aus wie Mr. Disco persönlich. Heute trägt Robert Hardt zwar keine Lockenpracht und keine Glitzer-Jackets mehr. Doch die Liebe zur Tanzmusik jener Zeit ist ungebrochen. Der Musikproduzent ist europaweit ein gefragter Spezialist, wenn es gilt, den Sound jener Zeit authentisch wieder aufleben zu lassen.

Zum Tanzen ist er losgezogen, als die „Alter Bürger“ praktisch eine einzige Discomeile war. Ins „Coco“ mit seinem Neon-Design, wo „solche Sachen wie Duran Duran und Matt Bianco angesagt waren“, ins „Jam“ und ins „Chacha“, ins „Frizz“, den seinerzeit schwer angesagten Eckladen der Brüder Thomas („Potte“) und Stefan Seebeck, seltener ins „Wally“ oder in Klaus Lukas „Delta“, wo es rockiger zuging.

DJ-Start im „Chicos Place“

Doch auch anderswo in der Stadt tobte die Diskoszene. Im „Culture Club“, im „Superfly“ im alten Bahnhof Lehe, im „Enterprise“ und im „Get Up“. „Wegen der Mädchen sind wir zum ,Bahamas“ in Wulsdorf gefahren“, erzählt Robbie. „Von Surheide aus mit dem Rad.“ Wegen der Musik ging es woanders hin. Ins „Music Monster“, zum Beispiel, einem nur wenige Quadratmeter großen Insidertip in der Wülbernstraße. Oder ins „Chicos Place“, nachdem der Klub von Nathalie Dieah übernommen worden war. Dort begann auch seine Karriere als Plattenaufleger. Im „Q-Club“ in der Lloydstraße war Rob Hardt später jahrelang „Resident DJ“. Und dort lernte er auch, wie man auf brenzlige Situationen mäßigend Einfluss nehmen kann: „Mit Barry White und einem kühlen Bacardi.“

Bei der deutsch-amerikanischen Band „Style“ spielte er die Keyboards und sah aus „wie bei Prince weggelaufen, aufgeföhnte Haare und alles“. Seitdem habe er aber nie wieder Haarspray benutzt, versichert er und grinst. Nicht ohne Wehmut, denn „heute sehen die Bands ja mehr wie ihre Roadies aus“.

Und was die Discoszene angeht, war früher natürlich auch mehr Lametta. In Bremerhaven gibt es inzwischen nur noch die „Nachtschicht“. Das war’s. Die Sehnsucht nach der Blütezeit der großen Tanzschuppen ist aber ungebrochen, wie das 80er-Revival (mit all seinen fragwürdigen Erscheinungsformen) zeigt. (rad).

Artikel vom 24.12.09 - 06:00 Uhr
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