Lange gab es keine konkrete Spur zu den Fahrrad-Diebstählen – stadtweit sind das immerhin etwa drei pro Tag. Oft blieb den Polizisten nur die ernüchternde Erkenntnis, dass die verschwundenen Räder nicht weit voneinander abgestellt und die Schlösser nicht mehr auffindbar waren. „Das war auffällig. Wir haben da aber nie einen richtigen Griff reinbekommen“, sagt Michael Grell, Leiter des Polizeikommissariats Süd.
Dann erreichte die Polizei im Spätherbst ein entscheidender Hinweis: Ein Zeuge hatte am Freibad Grünhöfe einen Kastenwagen beobachtet, in den Unbekannte ein angeschlossenes Fahrrad trugen – alles in allem eine Sache von weniger als 15 Sekunden. Nach Fahrzeughalter-Überprüfung und weiteren Hinweisen aus der Bevölkerung kam die Polizei der tatverdächtigen Großfamilie dann auf die Schliche.
Als nun in den ersten beiden Januarwochen gleich 52 Fahrraddiebstähle registriert wurden, durchsuchte die Polizei am Freitag mit 15 Ermittlern das Haus der Familie. 18 Familienmitglieder sollen dort als wohnhaft registriert sein. Von den 26 gefundenen Fahrrädern, die in dem Gebäude geparkt waren, waren sieben bereits als gestohlen gemeldet. Im Lieferwagen, einem blauen Mercedes, wurde zudem ein Flex-Werkzeug gefunden.
Einige Tatverdächtige aus der Großfamilie sind der Polizei bereits wegen ähnlicher Delikte bekannt. Nun steht der Verdacht des gewerbsmäßigen Bandendiebstahls im Raum. „Das macht schon alles einen sehr professionellen Eindruck“, meint Grell. Weil es laut Polizei aber in Bremerhaven kaum einen Markt für gestohlene Fahrräder gibt, wird davon ausgegangen, dass Fahrräder bereits ins Ausland verkauft wurden oder das zumindest geplant war. Die Ermittler vermuten nämlich ebenso, dass noch weitere Diebstähle auf das Konto der Bande gehen könnten. Möglicherweise wurde auch auf Bestellung geklaut.
Die Täter sollen dabei fast immer gleich vorgegangen sein: Mit einem blauen Lieferwagen fuhren sie an Fahrradständer vor, dann wurden schnell die Räder eingeladen – Abfahrt. Geknackt wurden die Schlösser meistens später. „Die Räder wurden nicht willkürlich ausgewählt“, so Grell. „Die waren alle einwandfrei.“ Er geht von einem Verkaufswert von jeweils etwa 100 Euro aus. „Wenn das ein paar Fahrräder mehr sind, kann man sich vorstellen, warum die das machen.“
Wie viele Diebstähle wirklich auf das Konto der tatverdächtigen Bande gehen, soll in den nächsten Wochen geklärt werden. Die Polizei bittet deswegen Geschädigte, die noch über Schlüssel oder Zahlenkombinationen zu ihren Schlössern verfügen, sich unter 9 53 33 47 zu melden. Die Schlüssel sollen dann an den gefundenen Schlössern, etwa 50 Exemplare, abgeglichen werden.

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