
Ein Leser verwies auf die Walter-Delius-Straße in Geestemünde, deren Namensgeber „bei den Nazis an den Schalthebeln saß“. Delius war Mitglied der NSDAP und im Dritten Reich Oberbürgermeister von Wesermünde. Zudem war er Stadtkommissar der deutschen Militätverwaltung im besetzten Antwerpen.
Welche Namen tauchen noch auf? Die SPD-Stadtverordnetenfraktion möchte eine „Einzelfalldebatte“ vermeiden. „Wir werden das Bremerhavener Straßenverzeichnis überprüfen lassen, um gegebenenfalls eine grundsätzliche Bereinigung durchzuführen“, kündigte Fraktionschef Sönke Allers an. Als weltoffene und liberale Stadt habe man eine besondere Verantwortung, „klare Kante zu fahren bei dem sensiblen Thema“. Er werde am Freitag mit dem Oberbürgermeister und dem Koalitionspartner Gespräche führen.
Die Frage, ob die Frenssenstraße umbenannt werden muss, stieß auf ein geteiltes Echo. Ein Leser verwies auf das gute Beispiel Hamburg, wo schon längst eine Frenssenstraße umbenannt worden sei. Ein anderer Leser, der seine Kindheit in Lehe verbracht hat, bat: „Belasst es einfach bei der Frenssenstraße.“
Sören Graalmann erinnerte an die Kosten. „Der Wunsch einer Umbenennung aufgrund der zweifelhaften Lebensgeschichte von Frenssen ist zwar ein guter Grund, aber wesentlich unwichtiger in Anbetracht der finanziellen Situation der Stadt Bremerhaven und deren Bewohner“, schrieb er.
Nach Angaben des Bürger- und Ordnungsamts handeln die Behörden kulant, weil Umbenennungen selten seien. Laut Amtsleiter Horst Keipke werden keine Gebühren erhoben, wenn in Personalausweis oder Kraftfahrzeugschein der neue Straßenname eingetragen werden muss. Es reiche eine Meldung, dann werde der Aufdruck direkt verschickt. Die Bürger können ihn dann selbst in den Pass kleben.
Bei Anwohnern der Frenssenstraße hat es offenbar schon vor Jahren Diskussionen darüber gegeben, ob die Straße umbenannt werden müsste. Das berichtet ein anderer Leser. Seiner Ansicht nach ist eine kritische Betrachtung wünschenswert. Aber von einer Umbenennung hält er nichts. „Man sollte auch dazu stehen, dass die Aufarbeitung der NS-Zeit mit gravierenden Fehlern behaftet ist“, schreibt er.
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