Pleiten, Pech und Pannen
Bremerhaven. Kleine Ursache, große Wirkung: Mit einem Weihnachtsbaum, einer roten Tür, einem Baumarkt und einem Ausflugsschiff ist Bremerhaven überregional in die Schlagzeilen geraten. Und die waren in der Regel wenig erfreulich. Haben wir denn keine anderen Probleme, fragen unsere Politiker genervt. Und verkennen dabei eins: Über vermeintliche Kleinigkeiten sind schon ganz andere gestolpert. Von Rainer Donsbach

Der 10 000 Quadratmeter große Baumarkt in Orange ging für die Bauverwaltung in Ordnung, die zwei Quadratmeter große rote Tür in der Bürgerparksiedlung nicht. Ein Schiff statt einer Tanne (links unten): Das ist doch kein Weihnachtsmarkt, klagten viele. Wenig Verständnis gab es auch für das Eislaufverbot im Februar und den Umgang mit dem Kapitän des Hovercraftboots. Nach drei Tagen wurde ihm der Laufpass gegeben. Fotos Archiv
Mit einem fehlenden Tannenbaum auf dem letzten Weihnachtsmarkt fing alles an. Pillepalle? Keineswegs: Wer damals mitbekam, worüber an der Supermarktkasse, auf dem Wochenmarkt und in den Chatforen im Internet diskutiert wurde, hätte schnell darauf kommen können. Dass nämlich auch kleine Dinge der Sorgfalt, der Achtsamkeit und eines gewissen Fingerspitzengefühls bedürfen. Als das Medienecho darauf immer lauter wurde und die Deutsche Presseagentur die „Stadt ohne Tannenbaum“ sogar bundesweit der Lächerlichkeit preisgab, war es zu spät. Da konnte Oberbürgermeister Melf Grantz nur noch zähneknirschend die Krüppelkiefer eines TV-Regionalmagazins akzeptieren und sich vornehmen, das nächste Mal besser aufzupassen.
Machtwort aus dem Urlaub
Wie das geht, hatte ihm Amtsvorgänger Jörg Schulz vorgemacht. Der sprach noch aus seinem Urlaubsort ein Machtwort, als nach der Erhöhung des Lohmanndeiches vergessen worden war, die Sitzbänke wieder aufzustellen. Weil die Gesellschaft Bremenports angeblich kein Geld mehr dafür übrig hatte, ließ Schulz die paar Tausend Euro aus dem Stadtsäckel loseisen, bevor der Flurschaden noch größer wurde.
Bundesweit zum Gespött wurde die Stadt erneut im Februar, als auf den zugefrorenen Gewässern um uns herum fröhliche Feste gefeiert wurden, die Teiche in den Bremerhavener Parks aber für Schlittschuhläufer gesperrt blieben. Bis der OB die Reißleine zog und die Flächen freigab. Gerade noch rechtzeitig für ein Wochenende auf dem Eis. Danach setzte Tauwetter ein.
„Flugzeugträger“ in Orange
Mit dem Hickhack um den Obi-Baumarkt auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz ging die Seestadt erneut bundesweit „auf Sendung“. Dass eine Stadt einen zentralen Festplatz an einen Investor verkauft und dann darüber erschrickt, dass ihr dort solch ein orangefarbener „Flugzeugträger“ hingestellt wird, darüber wurden nicht nur in Lehe, sondern auch in überregionalen Radio- und TV-Sendungen die Köpfe geschüttelt. Dass die Bauverwaltung sich das mitten in der Stadt widerstandslos bieten lässt, in der Bürgerparksiedlung aber eine rote Tür mit geballter Behördenmacht verhindern will, sorgte erneut für Empörung und Hohngelächter.
„Schiff ahoi, Schiff bye-bye“
Parallel dazu läuft im Volkstheater unserer Stadt die Posse „Schiff ahoi, Schiff bye-bye“. Da wurde monatelang um ein Hovercraftboot als neue Touristenattraktion geworben, um dann bei den ersten Fahrten auf der Weser festzustellen: Du Schande, das ist ja viel zu laut! Drei Tage lang durfte sich der Betreiber hier willkommen fühlen. Dann hieß es für ihn und sein Boot: „Und tschüss!“
Alles Peanuts, möchte manch einer mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Ackermann sagen. Doch auch der musste seine Lektion bitter lernen.