„Nach uns vorliegenden Informationen“, so CDU-Mann Thorsten Raschen, „ist Frau Niehaus bei der SPD ausgetreten und Mitglied der Piraten-Partei geworden. Sollte sich diese Information bestätigen, ist sie als Sprecherin der Stadtteilkonferenz Lehe nicht mehr tragbar.“
An der Mitteilung stimmt, wie eine einfache Nachfrage ergab, nur die Hälfte. Ja, Ute Niehaus ist aus der SPD ausgetreten. Nein, sie ist kein Mitglied der Piratenpartei geworden und habe das auch in Zukunft nicht vor.
Dass sie allein wegen des Verdachts schon der Fluch der Karibik treffen soll, findet sie „gar nicht witzig“. Der SPD habe sie aus Verärgerung über deren Umgang mit dem Thema Bürgerbeteiligung den Rücken gekehrt. Doch auch zuvor habe sie bei den Sozialdemokraten keine Funktion mehr wahrgenommen, weil sich das mit dem Amt als Konferenzsprecherin nicht vertrage.
CDU-Fraktionsgeschäftsführer Raschen nennt sie eine „politische Randerscheinung“, für die in der Stadtteilkonferenz kein Platz sei. Wer die Begrifflichkeit „Pirat“ in seinem Namen führe, scheide als ernst zu nehmender Gesprächspartner für demokratische Parteien aus. Ob er damit im Sinne der Stadtteilkonferenz spricht, wird sich bei deren nächster Zusammenkunft am Donnerstag, 25. November, um 19 Uhr im Seniorentreffpunkt Kogge herausstellen.
Dort muss übrigens noch nicht mal an einem spekulativen, sondern an einem tatsächlichen Fallbeispiel diskutiert werden. Alexander Niedermeier, ebenfalls Mitglied des Sprecherkollektivs, kandidiert nämlich tatsächlich für die „Piraten“: Als Parteiloser auf Listenplatz 4.
Wie schwer sich die CDU und andere etablierte Parteien mit Humor und Comedy tun, wenn sie selber die Zielscheibe sind, hatte sich schon im Hamburger Wahlkampf gezeigt. „Die Partei“, ein vom Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ und dem Spaß-Guerilla Heinz Strunck („Fleisch ist mein Gemüse“) gegründeter Wählerverbund, hatte dort mit einer hinterlistigen Plakataktion die obligatorische Reaktion provoziert, nämlich Abscheu und Empörung. „CDU-Wähler aufgepasst“, stand da zu lesen: „Ole von Beust ist schwul“. Nach einem Sturm der Entrüstung ruderten die Urheber zurück, entschuldigten sich vielmals für diese Entgleisung und präsentierten in einer eilig einberufenen Pressekonferenz ihren neuen Slogan: „Schwule aufgepasst: Ole von Beust ist in der CDU.“
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