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Neumayer III ist fertig: Mit dem Pistenbully ab nach Hause

Von unserem Korrespondenten Hans-Christian Wöste

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Die Neumayer-III-Station steht kurz vor der Inbetriebnahme. Grafik: AWI

Neumayer-Station/Antarktis. Schnee, Eis, Sturm und immer wieder beißende Kälte um die 50 Grad unter Null: Das Leben von Polarforschern hängt in besonderer Weise vom Wetter ab - und von geschützten Unterkünften. Eine der modernsten Antarktisstationen - Neumayer III - steht kurz vor der Eröffnung: Sie soll vom nächsten Freitag (20. Februar) an die bisherige deutsche Station Neumayer II ablösen. „Der Endspurt bei den Bauarbeiten läuft, Wissenschaftler und Forscher stecken mitten im Umzug“, sagt Projektleiter Saad El Naggar vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) am Freitag in der Antarktis.

Etwa 90 Spezialisten haben Neumayer III im ewigen Eis errichtet. Sieben Monate trotzten die Bauarbeiter heftigen Stürmen, dichtem Schneetreiben und eiskalten Temperaturen. Im ersten Anlauf wurden von Dezember 2007 an bis März 2008 genau 99 Container zum Bauplatz gebracht - 20 Kilometer weit von einem Schiffsanleger über eine zerfurchte Schneepiste. Im zweiten Bauabschnitt vom November 2008 an bis jetzt wuchs das futuristisch wirkende Gebäude auf vier Stockwerke an.

„Wir arbeiten täglich rund 12 Stunden“, erzählt Ralf von Hassel vom Bauteam. Er hat gerade leere Container - 35 Tonnen auf vier Schlitten - mit seinem Kettenfahrzeug („Pistenbully“) zurück zur Eiskante geschleppt. Dort wartet das russische Versorgungsschiff „MS Ivan Papanin“ auf den Rücktransport von Fracht nach Bremerhaven.

Das Camp für den Aufbau von Neumayer III wird bereits abgerissen. 30 Boxen waren dort wie eine Wagenburg zu einem Containerdorf zusammengestellt. Handwerker lebten wochenlang auf engstem Raum zusammen. Die Arbeit lief auch über die Wochenenden und an Weihnachten. Zu Silvester gab es eine längere Pause und nach schweren Stürmen: Dann versank das Camp bis zur Dachkante in den Schneemassen und musste mit Räumgerät wieder freigeschaufelt werden. Die meisten Arbeiter sind seit dieser Woche wieder auf dem Rückweg, die letzten Spezialisten kümmern sich noch um die Abstimmung der Systeme für Strom, Abwasser, Feuerschutz und Elektrik.

„So viel Technik wie hier gab es noch nie“, sagt der AWI- Logistikspezialist Andreas Brehme aus Bremerhaven. Die Station ist wie ein Schiff aufgebaut, das sich monatelang autark auf See bewegt. Die Verhältnisse in der Antarktis sind extrem: Damit das Gebäude nicht wie die Vorgängerstation um einen Meter Schnee pro Jahr im Eis versinkt, steht es auf 16 Stelzen. Diese können hydraulisch hochfahren und die Station anheben. Alles wird elektronisch überwacht, die Daten gehen über Satellit zum AWI nach Deutschland.

WG:Extreme Fernsicht mit grellem Sonnenschein bei gutem Wetter entschädigt die Techniker und Wissenschaftler gelegentlich für ihre Arbeit unter extremen Bedingungen. Dann ist viel Hautcreme nötig, um sich vor Sonnenbrand zu schützen. Auf den Anblick von jungen Pinguinen müssen die Bewohner der deutschen Forschungsstation derzeit weitgehend verzichten. Der Nachwuchs der Kolonie der Pinguine ist in diesem Jahr stark dezimiert: Der kalte Winter hatte die Fläche des Meereises vergrößert. Dadurch waren die Eltern zu lange zu ihren Futterplätzen unterwegs, und viele der Jungtiere starben. Lesen Sie am 20. Februar die große Sonderseite in der NORDSEE-ZEITUNG.



Homepage der Station (externer Link)
Artikel vom 14.02.09 - 09:00 Uhr
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