
35 Kinder aus der Region Kirowograd in der Ukraine sind seit dem 8. Juli in der Seestadt zu Gast. „Zum Erholungsurlaub“, so Marina Kargoscha, Vorsitzende des Fördervereins Hiob.
Der Verein unterstützt die ukrainischen Heimkinder und versucht, einen Teil von ihnen vier Wochen im Jahr in Familien in Bremerhaven unterzubringen. „Die Kinder sollen einmal erleben, was ,Familie‘ bedeutet. Die ganze Aufmerksamkeit nur für sich zu haben, das kennen die Kinder aus dem Heim ja gar nicht“, erzählt Kargoscha.
Denys genießt das Leben bei Susanne Arp. Kuscheln, Spielen und bekocht werden. Der Fünfjährige klebt an seiner „Mama“, und seine „Mama“ an ihm. „Die Nacht, bevor die Kinder gekommen sind, konnte ich gar nicht schlafen. Ich war so aufgeregt“, erzählt die Mutter einer 22-jährigen Tochter. „Jenny ist vor anderthalb Jahren ausgezogen. Seitdem fehlt mir das Leben mit einem Kind sehr, ich genieße die Zeit jetzt mit Denys“, erzählt die 43-Jährige.
Die größte Sorge war die Verständigung. Denys spricht kein deutsch, Susanne Arp kein ukrainisch. Beide benutzen viel Mimik und Gestik im Umgang miteinander. „Wir haben unsere eigene Sprache entwickelt. Außerdem ist es erstaunlich, wie schnell Denys lernt. Nach zwei Tagen konnte er das Kinderlied ,Bruder Jakob‘ auf deutsch singen“, staunt Arp darüber, wie schnell ein Fünfjähriger eine neue Sprache aufsaugt.
24 Stunden am Tag die volle Aufmerksamkeit – für Denys eine ganz neue Erfahrung, für Susanne Arp eine Herausforderung, die sie lange vermisst hat. „Plötzlich koche ich wieder Fischstäbchen mit Kartoffelpüree und verbringe Nachmittage auf dem Spielplatz.“ Bei dem Wort Spielplatz strahlt der Fünfjährige und klatscht Susanne Arp auf die Brust: „Mama, Spielplatz!“
„Ich habe mich so schnell an Denys gewöhnt, ihn am Sonntag wieder zurückfahren zu lassen, wird ganz schwer. Vorher will ich noch ein Fotoalbum für ihn basteln“, sagt „Mama“ Susanne und wischt sich eine Träne von der Wange.
