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Macht Verdi Haase Angst?


Bremerhaven. Hat Robert Haase, der Chef der Verkehrsgesellschaft, Angst vor der mächtigen Gewerkschaft Verdi? Traut er sich deswegen nicht, die mit Verdi verfeindete Konkurrenzgewerkschaft Komba an Tarifgesprächen zu beteiligen? So jedenfalls hat es Bürgermeister Michael Teiser (CDU) am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung dargestellt. Ein Antrag seiner Partei, Haase Gesprächsbereitschaft zu verordnen, wurde abgelehnt. Von Rainer Donsbach


Der Streit zwischen den Gewerkschaften hatte schon im Vorfeld hohe Wellen geschlagen. Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe werden allein mit der mitgliederstärksten Gewerkschaft Verdi geführt. Die dabei ausgehandelten Sonderzahlungen kommen allein Verdi-Mitgliedern zu Gute. Komba bleibt außen vor und bekommt nun Schützenhilfe von der CDU. Die warb allerdings vergeblich um eine Mehrheit für ihren Antrag, der Magistrat solle den Vorstand der Verkehrsgesellschaft anweisen, die ausgehandelten Zulagen auch für Komba-Mitglieder zu zahlen. „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“, argumentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Paul Bödeker. Es sei nicht klug, nur mit einer Gewerkschaft zu verhandeln. Sein Fraktionsgeschäftsführer Thorsten Raschen nahm an der Diskussion nicht teil. Er ist Komba-Mitglied.

Der SPD-Stadtverordnete und DGB-Chef Karsten Behrenwald widersprach dem CDU-Antrag energisch. Es dürfe keine Einmischung in die gesetzlich verankerte Tarifautonomie geben. Da habe sich die Stadt rauszuhalten. Die Komba-Mitglieder, die vor der Sitzung für ihre Interessen demonstriert hatten, brachte er mit dem Hinweis in Wallung: „Treten Sie doch bei Verdi ein, wenn Sie vom Verhandlungsergebnis profitieren möchten.“

Schützenhilfe bekam die CDU von ihrem Kreisvorsitzenden Teiser. Er schlug vor, Geschäftsführer Haase anzuweisen, mit allen Gewerkschaften zu reden: „Damit nicht der Eindruck entsteht, dass die Stadt indirekt den Beitrag für Verdi-Mitglieder bezahlt.“ Haase habe ihm gestanden, dass er nur aus Angst vor Verdi nicht mit den anderen spreche.

„Nett verkauft, aber unsinnig“, urteilte Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) über Teisers Ausführungen: „Wir werden uns als Gesellschafter nicht einmischen.“ Die Tarifautonomie gelte auch für städtische Gesellschaften. „Jeder entscheidet selbst, in welche Gewerkschaft er eintritt“, ergänzte die Grünen-Stadtverordnete Petra Coordes. „Wenn das in die Grütze geht, kann man nicht die Politik für seine Interessen instrumentalisieren.“

Die Opposition sah das anders und stimmte geschlossen für den CDU-Antrag. Die rot-grüne Regierungsmehrheit lehnte ihn ebenso geschlossen ab.


Artikel vom 03.02.12 - 07:00 Uhr
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