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Lösungsmittel in Leher Boden


Lehe. Das „Gift“ muss aus dem Boden raus. Tetrachlorethen heißt das Zeug, das Grund für Bremerhavens größtes Sanierungsprojekt ist. Poststraße 18, eine umzäunte Brache – rund 6000 Quadratmeter belasteter Boden. Wo bis Ende der 90er Jahre die größte chemische Reinigung der Stadt Lösungsmittel entsorgt hat, pumpt das Umweltamt seit drei Jahren Grundwasser ab. Für Anwohner unbedenklich, betont das Amt. Trinkwasser sei nicht gefährdet. Von Susanne Schwan


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Nicht gut genug für den Garten: Rüdiger Scheke und Eilert Janßen vom Umweltschutzamt warnen vor verunreinigtem Grundwasser im Bereich Lange Straße/Poststraße. Dort hat bis Ende der 90er Jahre die größte chemische Reinigung der Stadt Lösungsmittel entsorgt. Foto eer

Dem unscheinbaren Container am hintersten Winkel der Brache ist das High-Tech-System äußerlich nicht anzusehen, das innen bis zu 5000 Liter Grundwasser pro Stunde reinigt.

Seit 2008, erklärt Eilert Janßen, Chef des Umweltschutzamtes, „hat die Anlage 150 000 Kubikmeter Grundwasser durchgespült“. 150 Millionen Liter – 50 große Hallenbäder voll. „Und gut 1000 Kilogramm abgelagertes Tetrachlorethen über die Aktivkohle raus gefiltert.“

Immerhin ohne Belastung des städtischen Haushalts – die Kosten trägt das Land Bremen. Inklusive aller Vorarbeiten, „bis heute eine halbe Million Euro“, rechnet Janßen. Noch 200 000 Euro hat der Umweltsenator jetzt bewilligt – für noch zwei Jahre. „Bis dahin hoffen wir die weitere Ausbreitung des belasteten Grundwassers gestoppt zu haben.“

Denn in rund 15 Metern Tiefe schiebt sich die Schadstoff-Fahne mit dem Fluss der beweglichen Grobsandschicht langsam gen Westen, unter der Langen Straße durch bis zur Krüselstraße – Messungen dort haben noch Spuren der Chemikalie nachgewiesen. „Wenn wir nicht weitermachen“, sagt Rüdiger Schecke, Geologe am Umweltamt, „landet das Zeug eines Tages im Kleingartengebiet Twischkamp und im Hafen.“

Der Boden unter der Poststraße 18 aber sei nach drei Jahren nun nahezu schadstofffrei, „die Werte sind verträglich“, regelmäßig werde die „Fahne“ im Boden kontrolliert. Dazu sind von 2004 bis 2007 an 35 Messpunkten bis zu 20 Meter tiefe Kanäle gebohrt worden. Auf der Brache selbst wird das Grundwasser aus fünf Brunnen über unterirdische Leitungen bis zum Auffangkessel in der Anlage gepumpt. Von dort wird es in zwei Türmen mit einer Art „Dusche“ fein vernebelt, erklärt der Geologe. Der chemisch belastete Dampf wird durch Aktivkohle gefiltert und nach draußen geleitet.

„Eine zertifizierte Spezialfirma entsorgt die belastete Kohle.“ Die werde verbrannt oder recycelt – das Lösungsmittel Tetrachlorethen wird zum Beispiel in der Metallindustrie verwendet.

Spuren in Bodenanalyse

Schon im Jahr 2000 war die Belastung des Grundstücks – das die Stadt 2007 vom insolventen Eigner übernommen hatte – bei ersten Bodenanalysen aufgefallen – jahrzehntelang waren beim Entsorgen der Chemikalie Spuren davon durch den Beton ins Erdreich gesickert. „Wir haben schon damals allen Anliegern nahe gelegt, kein Grundwasser mehr abzuzapfen, um den Garten zu bewässern.“ Das gilt bis heute.

„Ohne Bodensanierung“, so Janßen, „kann die Stadt die Fläche nicht wieder als Baugrund verkaufen.“ Nun wird die Anlage umgerüstet. „Von 5000 Liter pro Tag auf 8000“, sagt Janßen, „um schneller mit der Fahne fertig zu werden, sonst sind wir da noch zehn Jahre dran.“


Artikel vom 07.02.12 - 12:00 Uhr
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