Dass sie Geschwister hat, erfuhr sie kurz bevor ihre dänische Adoptivmutter starb. Die sagte: „Du musst nur losgehen und sie finden.“ Zwei Anhaltspunkte hatte sie: Bremerhaven und den Namen Weber. Als die heute 48-Jährige zum ersten Mal schwanger war, reiste sie in die Seestadt. „Ich habe mir ein Telefonbuch geschnappt und seitenweise Weber gefunden.“ Keine heiße Spur.
Sie meldete sich bei einem dänischen Fernsehsender mit der Bitte um Hilfe. Sie ist ins Hamburger Konsulat gefahren. Keine Spur. „Deutschland zählt zu den Ländern, in denen es schwer ist, Informationen über Adoptionen zu bekommen“, sagt Marina Normann. Sie engagierte eine Agentur, die sich darauf spezialisiert hat, Familien zu finden. „Auch das war eine Sackgasse.“
Sie stellte ihr Profil auf Internetseiten, auf denen Adoptivkinder ihre Familie suchen. „Ich habe mehr als 100 Stunden lang Profile durchsucht.“ So hat sie ihren Bruder in Florida gefunden, auch er wurde zur Adoption freigegeben. Auch er hat in Bremerhaven gesucht und eine Anzeige geschaltet. Erfolglos.
Wieder Leere. Und Hoffnung. Die setzte sie dann auf ihr Weihnachtsgeschenk. „Von Weihnachten bis zu diesem Sommer war ich hin- und hergerissen, ob ich das machen soll.“ Ein weiterer Besuch in Bremerhaven. Eine Verkehrskontrolle und eine kurze Erklärung. „Ich habe den Beamten gefragt, ob er mal in seinen Computer nach meiner Mutter suchen kann“, sagt Marina Normann. Die Mutter sei nicht aufzufinden, so die Antwort. Die Entscheidung fällt. Der Privatdetektiv soll nun suchen.
Und der meldet sich, nachdem die Familie wieder nach Dänemark zurückgekehrt ist. Sie reist wieder an. Er habe die Mutter gefunden, eröffnet der Detektiv das Gespräch. Marina Normann ahnt, dass sie zu spät ist. Ihre Mutter ist gestorben. Sie fährt zum Friedhof. „Ich war so traurig, obwohl ich es gewusst habe. Ich wollte nur einmal ihre Hand halten oder sie in den Arm nehmen.“
Der Name auf dem Grabstein ist ein anderer. Trede. Ihre Mutter hat geheiratet. Marina Normann sucht wieder auf eigene Faust. Sie sucht im Internet, auf Facebook, findet einen Trede. Nächste Sackgasse, der lebt in Süddeutschland, kann nicht helfen. Sucht nach Trede in Bremerhaven. Ein Treffer. Ein Zufall. Eine Nachricht: „Mein Vater weiß etwas über deine Familie“, so die Antwort.
Eine lange Suche geht am 7. Oktober zu Ende. Morgens erfährt Ramona Finke, dass sie eine Schwester in Dänemark hat. „Ich war skeptisch“, sagt sie. Ihre Mutter habe fünf Kinder allein groß gezogen, der Vater war US-Soldat. Von einer Schwester wusste sie nichts. Doch nach dem ersten Telefonat steht fest: „Sie ist meine Schwester.“ Ein Besuch in Dänemark. Jetzt der Gegenbesuch. „Ich habe zwar nie nach ihr gesucht, aber als ich sie das erste Mal gesehen habe, war es, als schaue ich in einen Spiegel“, sagt Ramona Finke.
Es bleiben Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Aber auch das Gefühl, vollständig zu sein, die Wurzeln gefunden zu haben. „Für mich hat sich endlich ein Kreis geschlossen“, sagt Marina Normann.

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