
Die Beteiligungsliste des „Ausbildungsverbundes Bremerhaven“ scheuchte die Gewerkschafter jetzt auf. Die gemeinnützige Gesellschaft bildet junge Leute in Metallberufen aus. Größter Anteilseigner ist die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG). Zweitgrößter Anteilseigner ist laut Verdi das stadteigene Arbeitsförderungszentrum (AFZ), das von SPD-Chef Siegfried Breuer geleitet wird. Geschäftsführer des „Ausbildungsverbundes“ ist Gerrit Michaelis, gleichzeitig Chef der AFZ-eigenen Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“.
Nach Ansicht von Verdi-Vorstandsmitglied Sascha Schomacker muss die BLG ihren Segen zur Berufung von Michaelis gegeben haben. Und kurz danach, so Schomacker, kam „Personal Aktiv“ im Hafen zum Einsatz. Das Bekenntnis der BLG zum Gesamthafenbetriebsverein bekommt in den Augen von Schomacker Risse, wenn man „einen Vertreter der Zeitarbeitslobby“ zum Geschäftsführer macht.
BLG-Arbeitsdirektor Hartmut Mekelburg widerspricht dieser Darstellung. Er habe gar nicht mitbekommen, dass Michaelis im Oktober vergangenen Jahres zum Geschäftsführer des Ausbildungsverbundes ernannt worden ist. Die BLG sei hier nur passive Teilhaberin. „Wir wollten damals dem Ausbildungsverbund helfen und sprangen ein, als die SSW-Werft ausgefallen war“, sagt Mekelburg. Mit „Personal Aktiv“ gebe es deshalb keine besonderen Verbindungen. Als man zum Jahreswechsel dringend Fahrer im Hafen benötigte, habe man alle Zeitarbeitsfirmen angesprochen.
Verdi betrachtete damals den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen im Hafen als Angriff auf den Gesamthafenbetriebsverein (GHB), der für die Personalreserve im Hafen zuständig ist und nach Hafentarif bezahlt. Das ist das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“, das Verdi grundsätzlich in der Zeitarbeit verlangt. Weil das derzeit nicht der Fall ist, kritisiert Verdi die Stadt, die über das AFZ die Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ betreibt.
Dass in der Firma SPD-Chef Siegfried Breuer das Sagen ist, gibt den Spannungen weitere Brisanz. Inzwischen hat sich die Geschichte zu einem handfesten Streit zwischen SPD und der Gewerkschaft ausgewachsen, in dem sich gegenseitig Unredlichkeit vorgeworfen wird.
Inzwischen rumort es auch in Breuers Gesellschaften. Im AFZ wird jetzt ein Betriebsrat gewählt. Laut Verdi haben sich genügend Bewerber gefunden, so dass am 10. Juni der Betriebsrat gewählt werden kann. Weil die Mittel für die Arbeitsmarktpolitik geringer werden, fürchten Mitarbeiter um ihre Jobs. Und sie hinterfragen, ob das Geld richtig ausgegeben wird. Musste das AFZ wirklich bei der Sail ein Schiff für einen Empfang anheuern (3950 Euro) und dort 2074 Euro für Getränke und 3936 Euro für Häppchen ausgegeben?
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