Küsschen zum Durchhalten
Bremerhaven (cb). Der Kuss auf die Wange kostet einen Euro, der auf den Mund zwei. Doch weil die meisten Teilnehmer des City-Marathons in ihren hautengen Laufhosen kein Geld dabei haben, verteilt Christine ihre Gunstbezeugungen auf der „Alten Bürger“ auch umsonst – angefeuert und umjubelt vom eigenen Anhang.

Bejubelt von ihren Freundinnen, hilft Christine bei ihrem Junggesellinnen-Abschied einem Läufer in der „Alten Bürger“ über die Runden.
Und die Läufer machen reichlich Gebrauch von dem Angebot – der Lippenstift jedenfalls ist bald übers halbe Gesicht verschmiert, der Plastikblumenschmuck am Kleid leicht derangiert. Der Junggesellinnen-Abschied am Rande der Laufstrecke gerät zur Schwerstarbeit – aber was will man machen: Mittwoch wird geheiratet, dann ist Schluss mit dem wahllosen Rumgeknutsche.

An der Deichstraße feuern (von links) Lea Itner, Katharina Fischer und Jasna Wiedemeier die Läufer mit Wunderkerzen an. Emanuel Rasch (rechtes Bild) gehört zu den freiwilligen Helfern, die die Läufer in der Hafenstraße mit Getränken versorgen. Fotos: eer
Die Freundinnen sitzen derweil am Straßenrand und singen „Humba humba humba täterää“: Siggi, Tina, Steffi, Claudia, Yelli und wie sie alle heißen sind – ausweislich ihrer selbst bedruckten T-Shirts – an diesem Abend „Germany’s Next Top Wife Jury“ und haben noch einiges vor mit der Auserwählten. Als der Pulk der Marathon- und Halbmarathonläufer die „Alte Bürger“ das zweite Mal passiert hat, ziehen sie weiter mit Germany’s Next Top Wife, „in den Fischereihafen zum Matjes-Fest, nachher noch in die Karaoke-Bar, mal sehen“.
Obst und Wasser
„Wasser!“ „Iso!“ An der Ecke Hafenstraße/Lange Straße stehen die freiwilligen Helfer und verteilen Getränke an die Läufer. Einfaches Wasser oder Iso-Drinks. Auf den Tischen stapeln sich geschnibbelte Äpfel, Bananen, Apfelsinen. Eine willkommene Erfrischung – und ein bisschen Abwechslung beim langen Lauf durch die Straßen der Stadt. Von hier ist es nicht mehr weit zum nördlichen Wendepunkt der Strecke am Flötenkiel.
Das Publikumsinteresse – eher spärlich. Vereinzelt stehen ein paar Passanten an den Absperrgittern; vor den Cafés und Kneipen hat das Publikum einen Logenplatz, kommt aber auch nicht so recht in Stimmung. Richtig voll ist es nur bei Start und Ziel an der Großen Kirche.

Bejubelt von ihren Freundinnen, hilft Christine bei ihrem Junggesellinnen-Abschied einem Läufer in der „Alten Bürger“ über die Runden.
Wo der Autoverkehr die Läufer passieren lassen muss, ertönt immerhin das eine oder andere aufmunternde Hupkonzert. Dass den Läufern an diesem Tag die Straße gehört, nehmen die meisten Autofahrer gelassen hin. „Keine besonderen Vorkommnisse“, vermeldet die Polizei. Nur der gestohlene Rucksack eines Helfers steht am Ende in ihrer Bilanz.