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Kritik an der Schulreform


Bremerhaven. Wenige Tage vor der Verabschiedung des Schulentwicklungsplans am Dienstag hat sich das Bündnis „Eine Schule für alle“ kritisch zu Wort gemeldet. „Die Ganztagsschule hat im Bremerhavener Schulentwicklungsplan einen recht peinlichen Stellenwert“, kritisiert Uwe Lorenz, Landeschef des Ganztagsschulverbandes Bremen. Von Denise von der Ahé


Lediglich in der Einleitung finde sich der Hinweis, dass Ganztagsschulen in Bremerhaven an sozialen Brennpunkten eingerichtet würden, kritisiert der ehemalige Schulleiter der Immanuel-Kant-Schule. Diese Aussage verkürze die Wirkungsweise der Ganztagsschule und berge die Gefahr, dass die Form in der Bevölkerung nur mit schlechteren und ärmeren Schülern in Verbindung gebracht werde.

Dabei sei die Ganztagsschule die beste Form, um selbstorganisiertes Lernen zu fördern und die Inklusion voranzubringen. Danach sollen behinderte und nichtbehinderte Schüler gemeinsam lernen.

Ganztagsschulen müssten in der Seestadt flächendeckend eingerichtet werden, fordert das Bündnis. Dabei müsse der Übergang zwischen Grund- und weiterführenden Schulen gewährleistet sein, fordern die Bündnispartner. Die richtige Form dafür sei die gebundene Ganztagsschule, die ein abgestimmtes Lernkonzept am Vor- und Nachmittag ermögliche. Im Vergleich zu Bremen werde die Ganztagsschule in Bremerhaven vermutlich aus Kostengründen zurzeit totgeschwiegen, kritisiert Lorenz.

Das gemeinsame Lernen fände nicht lange genug statt, weil die Schüler nach der vierten Klasse sortiert würden, kritisiert Wolfgang Vogel vom Bundesverband „Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule“ das Schulgesetz. Grundschulen und die künftigen Oberschulen müssten stärker zusammengeführt werden. Wichtig sei, dass Schüler aus der Grundschule in die Oberschule begleitet würden.

Bernd Winkelmann, Landesvorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, ärgert es, dass das Lloyd-Gymnasium im Schulentwicklungsplan ausgeklammert werde: „Hier wird Klientelpolitik höher angesiedelt als eine stimmige Schulreform.“ Das geplante Zwei-Säulen-Modell mit Oberschulen und Gymnasium widerspreche dem inklusiven Gedanken des Schulgesetzes. Dass die Lehrer mit einem umfangreichen Fortbildungsprogramm auf das neue Schulsystem vorbereitet würden, begrüßte er. „Allerdings wären hier ein Mehr an Fortbildung und weniger Unterrichtsbelastung für die Kollegen wichtig“, so Winkelmann weiter.

Auch die Grundschule müsse gestärkt werden. Ob die Reform gelinge, hänge davon ab, ob die Schulen mit genügend Personal ausgestattet würden.

Artikel vom 03.06.10 - 11:55 Uhr
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