
Es geht um seismische Experimente, die Awi-Mitarbeiter an Bord eines russischen Forschungsschiffes ab Ende Januar in der Antarktis vornehmen. Mit einer Schallkanone, sogenannten „Airguns“, werden dabei Schallstöße ins Meer abgesondert, die ihre Wellen bis tief in den unterseeischen Boden drücken. Laut WWF (World Wildlife Fund) erzeugen die Kanonen einen Schalldruck, der 10 000 Mal so groß ist wie der eines Presslufthammers in einem Meter Entfernung.
„Der Höllenlärm unter Wasser wird kilometerweit übertragen und kann bei Walen und Robben massive Gehörschäden verursachen“, sagt Stephan Lutter, Meeresschutzreferent beim WWF Deutschland. Er wirft den Awi-Forschern vor, bei den Russen angeheuert zu haben, weil das Umweltbundesamt ihnen diese Untersuchungen nicht genehmigt habe. Das Verhalten sei „skandalös“, sagt Karsten Brensing von der Tierschutzorganisation „Whale & Dolphin Conservation Society“ (WDCS).
Dr. Wilfried Jokat vom Awi wurde am Montag von der scharfen Kritik der Naturschützer überrascht. „Bislang ist nicht bekannt, dass ein Tier dadurch geschädigt wurde“, sagt er zur Wirkung der Schallkanonen. Die Darstellung, wonach die Schallwellen noch in großen Entfernungen unter Wasser ein vernichtendes Werk verrichteten, ist für ihn unsinnig. „Der Schallpegel fällt mit der Entfernung stark ab“, sagt er. Gefahr drohe nur für Tiere, die in unmittelbarer Nähe seien. Deshalb würden die Kanonen nicht eingesetzt, wenn Tiere im Umfeld gesichtet werden. „Hier wird eine Forschungsmethode einfach verteufelt“, sagt Jokat.
180 seismische Experimente werden laut Jokat jedes Jahr in der Nordsee durchgeführt – ohne Proteste. Das Awi begleite jetzt nur die russischen Kollegen, die diese Messungen ohnehin in der Antarktis vornehmen. Der Anteil der Lärmexperimente, die das Awi zu verantworten habe, betrage nur einen Bruchteil der gesamte Forschungsarbeit der Expedition. Außerdem sei gerade dabei die Schallstärke sehr reduziert.
Das Awi hat laut Jokat eine Chance ergriffen. In dem Bereich sei man sonst nicht tätig. Die „Polarstern“ sei erst einmal in den vergangenen 25 Jahren dort unterwegs gewesen, um die geologische Entwicklung zu erforschen. Das war 2007, und damals habe man wegen der Dicke des Eises die Untersuchungen nicht zum Abschluss bringen können. Das sei jetzt der zweite Versuch. Laut Jokat gehe es dabei nicht um Suche nach Gasvorkommen, sondern um Grundlagenforschung.
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