
Ob der strapazierte Rat Goethes „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, ob Schlichtes, wie „Das Leben ist ein Omnibus, auf den man lange warten muss“ oder ideologisch geprägtes „Kopf hoch, Blick geradeaus, so sieht ein deutsches Mädchen aus“ – interessiert wühlte sich Rose Weber durch Poesiealben und stöberte den Gedanken vergangener Generationen nach, deren Hoffen, Sehnen und Wünschen in gestochen klarer Schönschrift konserviert zwischen vergilbten Seiten die Zeit überdauern. Sie fand schaurig Schönes aus dem 18. Jahrhundert, mit überbordenden Schlussformeln, in denen mindestens ein „ergebenst“ vorkam. Angemuffte Weisheiten, die Mütter schon von den Großmüttern abgeschrieben hatten. Aber sie entdeckte auch Sprüchlein, die dem Adressaten noch nach Jahrzehnten ein Lächeln entlockt.
„Deutsches Mädel“

„Schade“, findet Margret Ehlers (71), dass es kaum noch Poesiealben gebe. „Heute gibt es Freundschaftsbücher“, weiß sie und meint die bunten Bücher mit Diddl-Maus beispielsweise, in denen Kinder auf vorgefertigte Fragen antworten und nicht mehr die eigene Kreativität spielen lassen, Glanzbildchen einkleben oder zeichnen. Eine Zeichnung hat sie in ihrem eigenen Büchlein: Eine untergehende Sonne mit freundlichem Gesicht, mit flinkem Strich skizziert neben einen stilisierten Baum. Daneben ein Spruch: „Der Vogel singt sein Liedlein hell, freut sich an Sonne, Baum und Quell. Mach es ebenso, sei rüstig und froh!“
Wie Augäpfel gehütet
Die Alben ihrer Mutter und ihres Schwiegervaters hat sie auch dabei, Jahrzehnte wie Augäpfel gehütet. In den Büchern, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, finden sich andere Sprüche, beherbergen Ideale aus grauer Vorzeit: „Bete und Arbeite“ zum Beispiel. „Früher wurde das sehr ernst genommen“, so Ehlers.
Ein Blick ins Internet zeigt, dass die Sprüche für Poesie durchaus beliebt sind, wenn das Album an sich auch unmodern sein mag. Die Weisheiten füllen ganze Seiten. Die alten, wie auch neue. So hat J.R.R. Tolkien Eingang gefunden in das Sammelsurium an Poesiesprüchen: „Es gibt etwas Gutes in der Welt und dafür lohnt es sich zu kämpfen“ hat er seinen Sam in „Herr der Ringe“ sagen lassen.
Selbst die Gummibärchen kommen nicht zu kurz. „Lebe glücklich, lebe froh, wie das Bärchen Haribo, das in seiner Tüte saß und die anderen Bärchen aß.“

|
Alle wichtigen Infos zu den Fischtown Pinguins finden Sie in unserem REV-Spezial. |
![]() |
|