
Das Problem ist seit langem bekannt: Wenn ein Schiff leer oder nur leicht beladen auf die Reise geht, nimmt es Ballastwasser auf, um stabil im Wasser zu liegen. Darin enthalten ist alles, was die lokale Flora und Fauna hergibt: Krebse, Muscheln, Algen und andere Kleinstlebewesen. Am Zielhafen angekommen, wird das Ballastwasser wieder außenbords gepumpt – einschließlich der „blinden Passagiere“. So gelangen sie in eine neue Umgebung, in der manche von ihnen prächtig gedeihen und das ortsansässige Getier verdrängen. Bekanntestes Beispiel: die chinesische Wollhandkrabbe, die inzwischen auch in Europa heimisch geworden ist – sehr zum Leidwesen manch einheimischer Krabbe.
Deshalb hat die International Maritime Organiziation (IMO), die Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen, 2004 beschlossen, dass das Ballastwasser vor dem Abpumpen von Eindringlingen zu befreien ist. Noch haben nicht genügend Staaten das Regelwerk beschlossen – aber es fehlen nicht mehr allzu viele: „Damit die Regeln in Kraft treten, müssen mindestens 30 Staaten zustimmen, die zusammen 35 Prozent der Welthandelsflotte repräsentieren“, erklärt Erik Köster, Projektleiter am TTZ. „Wir liegen jetzt bei 33 Staaten und gut 26 Prozent.“
Sobald die Quote erreicht ist, wird es ernst für die Reeder. „50-70 000 Schiffe müssen dann umgerüstet werden“, schätzt TTZ-Projektmanagerin Birte Ostwald. Bislang haben allenfalls ein paar hundert Schiffe eine Ballastwasser-Behandlungsanlage an Bord.
Um das nötige Know-how zur Verfügung stellen zu können, hat das TTZ jetzt das Netzwerk „MS Innovation“ ins Leben gerufen. Zusammen mit Partnern aus der Industrie sollen Verfahren zur Abwasserbehandlung an Bord von Schiffen weiterentwickelt werden. Dabei geht es nicht nur um Ballastwasser, sondern jede Form von Schmutzwasser, einschließlich der ölhaltigen Rückstände aus der Bilge. „Wir haben dazu mehrere Projekte am TTZ gehabt, also mehrere Jahre Erfahrung“, rekapituliert Projektleiterin Ostwald. „Unser Ziel ist es, marktfähige Technologien zu entwickeln – und nicht schöne Anlagen, die wir uns dann ins TTZ stellen.“ Der Prototyp im Haus Z soll ein Einzelstück bleiben.

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