
„Die Angst ist da“, sagt Feuerwehr-Stadtrat Jörn Hoffmann (SPD), und das sei ein völlig inakzeptabler Zustand. Ende vergangenen Jahres waren zum ersten Mal zwei Männer in der „Bürger“ ohne erkennbaren Grund auf die Besatzung eines Rettungsfahrzeugs losgegangen und hatten einen der Helfer am Kopf verletzt. Sie wurden nicht gefasst. Wenige Wochen später erwartete die Helfer in einer Wohnung in Geestemünde kein Notfall, sondern ein ausgeflippter Bewohner, der ohne Vorwarnung mit dem Messer auf sie losging. Bei einem Einsatz in der Körnerstraße wurden Sanitäter von zwei Passanten angegriffen, die durch das halb geöffnete Seitenfenster auf sie einzuschlagen versuchten. In den letzten beiden Fällen konnten die Täter von der Polizei gestellt werden.
„Passiert ist bis jetzt aber nichts“, ärgert sich Hoffmann. „Jedes Parkdelikt wird umgehend geahndet, und hier dauert es ewig, bis die Täter Konsequenzen zu spüren bekommen.“ Unter den 220 Feuerwehrleuten werde inzwischen schon laut über eine Bewaffnung nachgedacht. Mit ihm, so Hoffmann, werde es die nicht geben, aber die Diskussion verstehe er schon.
Intern haben die Brandschützer bereits auf die zunehmende Gewaltbereitschaft reagiert. „Wir wollen ausschließen, dass die Sorgen und Ängste unserer Kollegen zu blindem Aktionismus führen“, sagt Feuerwehr-Chef Jens Cordes. Bei einem sogenannten Deeskalationstraining würden die Beamten daher lernen, wie sie mit aggressiven Patienten umgehen und wie sie bei Notfalleinsätzen den Kollegen und das Umfeld mehr als bisher im Auge behalten.
Außerdem wurde in die Sicherheit investiert. In Videokameras, zum Beispiel, die bei den Einsätzen das gesamte Umfeld rund um die Fahrzeuge überwachen. In zwei nagelneuen Rettungswagen, die gestern zum Stückpreis von 145 000 Euro in Dienst gestellt wurden, sind sie bereits eingebaut worden. Sieben weitere sollen kurzfristig damit ausgerüstet werden.
Außerdem bekommen die Einsatzkräfte digitale Funkgeräte, mit denen sie auch außerhalb des Wagens einen Notruf absetzen können. Jeder weitere Zwischenfall soll von der Stadt zur Anzeige gebracht werden. „Für uns gibt es dafür keine Entschuldigung“, sagt Hoffmann. „Jetzt ist definitiv Feierabend.“

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