Ströhl, der zu jener Zeit auch das „Ströhlinsky“ gleich um die Ecke am Waldemar-Becké-Platz betrieb, hatte sich den Look des „Frizz“ beim „Maybach“ in Hamburg abgeguckt. Gemeinsam mit Stefan Seebeck und Michael Schlie setzte er die Anregungen aus der schönen neuen Club-Welt in Bremerhaven um. Nur das Großaquarium mit Piranhas fiel im „Frizz“ deutlich kleiner aus und wurde stattdessen mit Zierfischen bestückt.
Eröffnung war am 6. Januar 1988, dem Heilige-Drei-Könige-Tag, was die drei Teilhaber gerne auch als Allegorie auf ihre Zusammenarbeit erwähnen. „Der Laden schlug ein, wie eine Bombe“, erinnert sich Ströhl, der mehr im Hintergrund blieb, während Schlie und Seebeck den Laden schmissen. Eine vergleichbare Bar hatte es zuvor nur Anfang der 80er Jahre mit dem auf New Wave und Neon getrimmten „Coco“ schräg gegenüber gegeben.
Nun hatten auch „die Mädels“ wieder ein Zuhause, denen alles andere nicht schick genug war, meint Seebeck, der der Gastronomie schon lange den Rücken gekehrt hat und inzwischen als Golflehrer arbeitet.
Musikalisch kamen vor allem selbst zusammengeschnittene Tapes mit Funk und Soul in den Kassettenspieler. „Anderswo“, so Seebeck, „lief ja zu der Zeit mehr die Rock- und Grölermucke“. Davon fühlte sich unter anderem auch Heino Ferch angesprochen, der zu den Stammgästen des „Frizz“ zählte, bevor er Schauspielkarriere machte. Besonders an den Wochenenden war es in dem In-Treff oft so voll, dass man draußen warten musste, bis jemand herauskam, um sich selbst noch hinein zu drängen.
Wohl wissend, dass selbst ein gut laufender Laden ständig etwas Neues bieten muss. So gab es gelegentlich auch Livemusik, Rock und Funk vor allem. Und Sonntagnachmittags, einer in der Regel „toten Zeit“, wurde zum Kaffee und Kuchen klassische Musik mit Musikern aus dem Stadttheater geboten. Doch irgendwann war auch aus diesem Konzept die Luft raus. 1995 machte das „Frizz“ dicht, und keiner der vielen Nachfolger konnte jemals wieder an die goldenen Zeiten anknüpfen.
Die Seebeck-Brüder hatten 1992 parallel das „Q“ in der Lloydstraße aufgemacht und damit einen weiteren Volltreffer gelandet. Vorbilder dafür waren großstädtische Club-Diskotheken, und die Warteschlange reichte gelegentlich bis weit die Straße hinauf. Auch diese Zeit ist längst vorbei. Später wurde dort zwar auch noch was kopiert, aber keine Großstadt-Trends mehr, sondern Dokumente. Im ehemals heißesten Klub der Stadt residierte dann ein Copy-Shop.
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