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„Ich kann spüren, dass er lebt“


Bremerhaven. Der in Mexiko entführte Stadttheater-Dirigent Rodolfo Cázares ist womöglich Opfer einer Verwechslung geworden. Ein Halbbruder seines Vaters trägt denselben Namen und ist führender Kopf eines mit den Entführern konkurrierenden Drogenkartells. „Rudy“, so dessen Szenename, wurde jetzt beim Überfall auf ein Spielcasino in Texas festgenommen. Von Rodolfo fehlt dagegen weiterhin jede Spur. Von Rainer Donsbach


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Vor einem Jahr in Mexiko entführt: Der Stadttheater-Dirigent Rodolfo Cázares. Foto pr

Am Montag jährte sich der Tag der Entführung. Und dennoch, sagt Rodolfos Ehefrau Ludivine, war es fast wie immer. „Wenn ich wach werde, ist er mein erster Gedanke. Und wenn ich schlafen gehe, mein letzter. Jeden Tag.“

Die gebürtige Französin und ihr Mann sind am 9. Juli 2011 bei einem Mexiko-Urlaub im Haus der Familie Cázares in Matamoros an der Grenze zu den USA von acht Männern mit Maschinenpistolen überfallen worden. Die Gangster trugen Militärkleidung, Mitglieder des mächtigen Golf-Kartells. Mit dem Ehepaar wurden Rodolfos Eltern, die Schwester, deren Ehemann und ihre neun und elf Jahre alten Kinder verschleppt. Frauen und Kinder wurden drei Tage später freigelassen. Über das Schicksal der Männer gibt es bis heute keinerlei verlässliche Informationen.

Der andere Rodolfo Cázares entstammt einer außerehelichen Beziehung des Großvaters des Dirigenten. Er trägt nicht nur den selben Namen, er ist mit Mitte 30 auch ähnlich alt. Rudy, wie ihn seine Leute nennen, gehört laut Zeitungsberichten zur Führungsriege der Los Zetas, einer vom Golf-Kartell abgespaltenen Gangstergruppe, die sich auf Drogenhandel und Überfälle spezialisiert hat. Als Rudy und neun seiner Komplizen ein von der Golf-Konkurrenz betriebenes Casino in Texas ausrauben wollten, wurden sie von der Polizei überrascht und verhaftet.

Ob Rodolfo tatsächlich mit Rudy verwechselt wurde, ist Spekulation. Und selbst wenn, hätten es die Entführer längst gemerkt. Dass sie Rodolfo, seinen Vater und den Schwager in ihrer Gewalt behielten, verheißt auf jeden Fall nichts Gutes. Genauso wenig, wie die für unsere Verhältnisse unglaubliche Gleichgültigkeit der mexikanischen Behörden. Laut eines Artikels der New York Times, die ausführlich über die Entführung berichtete, sind die Verantwortlichen vom Anstieg der Gewaltverbrechen völlig überfordert. Zumal das Justizwesen durch Korruption, Angst und Inkompetenz immer mehr geschwächt werde.

Es sei eine Schande für Mexiko, sagt Ludivine Cázares, dass sich Europäer so für ihren Mann einsetzen und sich in dessen Heimat überhaupt nichts rühre: „Wenn er wiederkommt, wird er bestimmt nicht in das Land zurückkehren.“ Und dass er wiederkommt, daran hat diese zierliche, starke Frau überhaupt keinen Zweifel. Was ihr diese Kraft gibt. „Die Liebe“, sagt sie, „wir haben keine Probleme, wie andere Paare, wir haben uns immer geliebt.“

Papst antwortet nicht

Dass Rodolfo Cázares inzwischen die französische Staatsbürgerschaft zugesprochen wurde, hat ebenfalls nicht den erhofften Erfolg gebracht. Auch ein Bittbrief an den Papst vor dessen Mexiko-Reise blieb unbeantwortet. „Egal“, sagt Ludivine Cázares, „und wenn ich noch zehn Jahre weiterkämpfen muss. Ich gebe nicht auf.“ Eine „Welle der Hoffnung“ möchte sie entfachen. Wohl auch, um die Verzweiflung fortzuspülen, die sie manchmal überfällt.

Die gemeinsame Wohnung in Bremerhaven wird sie wohl aufgeben müssen. „Macht nichts“, sagt sie, „dann nehmen wir uns eben eine kleine Wohnung, wenn Rodolfo wiederkommt...“

 

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Der Jahrestag der Entführung am Montag war für Ludivine Cázares wie jeder andere Tag: „Wenn ich wach werde, ist Rodolfo mein erster Gedanke. Und wenn ich schlafen gehe, mein letzter. Jeden Tag.“ Foto ls
Artikel vom 11.07.12 - 12:00 Uhr
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