
In der Landespolitik steht das Designlabor schon seit Jahren auf der Abschussliste. Dass in dem rot-grünen Koalitionsvertrag der vergangenen Wahlperiode entgegen vieler Widerstände dennoch eine Bestandssicherung für die Kreativschmiede im alten Fährhaus aufgenommen wurde, war dem Einfluss des bisherigen SPD-Vorsitzenden Siegfried Breuer zu verdanken. Doch auch er konnte nicht verhindern, dass die Einrichtung finanziell immer mehr ausgehungert wurde.
Das räumt auch Senator Günthners Sprecher Holger Bruns ein. Nachdem das Designlabor vor Jahren in die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) eingegliedert worden war, sei es „irgendwie zwischen alle Stühle gestellt worden“. Wer an diesem „unglücklichen Status“ Schuld war, lässt er offen. Unter dem Strich sah das am Ende so aus, dass dem Designlabor für dieses Jahr nur noch ein Etat von 200 000 Euro zur Verfügung stand – weniger als je zuvor und deutlich zu wenig, um neben den laufenden Kosten noch größere Projekte zu finanzieren.
Nun soll derselbe Betrag – vielleicht sogar etwas mehr – zur Förderung der Kreativwirtschaft nach Bremerhaven fließen. Wofür genau, ist unklar. Nach Vorstellung von Nils Schnorrenberger, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS, könnte man damit Unternehmer und kreative Köpfe in Bremerhaven miteinander ins Gespräch bringen. Konkrete Projekte, so Bruns, gebe es dafür aber noch nicht.
Vor einem Jahr hatte es schon einmal so ausgesehen, als würde Senator Günthner im Designlabor den Stecker ziehen. In einer Vorlage für den Senat war die Rede davon gewesen, das als erfolgreich beschriebene Stipendiatenmodell mit den Aktivitäten des „Klubs Dialog“ in der Stadt Bremen zusammenzuführen. Der von der WFB ins Leben gerufenen Klub soll so ziemlich genau das leisten, was jetzt mit dem Trostpflaster-Geld auch in der Seestadt passieren soll: Wirtschaft und Kreative zusammenbringen.
Auch an der strategischen Ausrichtung des Stipendiatenmodells sollte sich nach dem Willen des Senators etwas ändern. Er wollte es laut Vorlage „stärker auf regionalwirtschaftliche Bezüge und bremische Akteure“ ausrichten. Auch die Stipendiaten und die Fachbetreuer, so Günthners Vorstellung, sollten grundsätzlich nur noch aus dem Land Bremen und der Region kommen. Bisher war die Stipendiatenriege stets international besetzt. Dem Vorstand und dem Beraterstab gehörten hochkarätige Experten wie Volker Albus, Francois Burkhardt, Alberto Meda und Richard Sapper an, die allerdings alle nicht aus Bremen kommen.
Dabei muss dann irgendwie auch vergessen worden sein, den Mietvertrag für das alte Fährhaus zu kündigen, in dem das Designlabor die letzten Jahre untergebracht war. Nun läuft er noch bis Ende nächsten Jahres weiter.
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