
Denn die einstündige Dokumentation „Flucht auf der Elbe“ erzählt von Josef Novak, ihrem Großonkel. Der Tscheche war zu jener Zeit Elbschiffer, fuhr zwischen Prag und Hamburg und war mehrmals Fluchthelfer – bis er verraten wurde. Auf ihn waren Holger und Uwe Rada gestoßen, als sie in Tschechien die Geschichte ihrer Familie ergründen wollten.
Josef Novak – der Name war ihnen zwar ein Begriff. „Das war der große Onkel aus Amerika“, schildert Holger Rada, der den Studiengang Digitale Medienproduktion leitet. Aber von Fluchthilfe wussten er und sein Bruder nichts – bis ihnen eine Verwandte in Trutnov im Riesengebirge einen Zeitungsartikel vorlegte. „Er hat einem Minister geholfen“, erzählte sie. Die intensive Recherche begann.
Denn auf seinem Elbkahn ÈSPL 346 versteckte Josef Novak im April 1948 keinen geringeren als Ladislav Feierabend, den ehemaligen tschechoslowakischen Finanzminister. Ihm drohte nach dem kommunistischen Februarputsch in Prag ein Schauprozess. Die Flucht auf der Elbe war die einzige Möglichkeit, in den Westen zu entkommen.
Als Josef Novak die Familie Feierabend an Bord nahm, schlüpfte er zum ersten Mal in die Rolle des Fluchthelfers. Doch warum nahmen er und seine Frau dieses enorme Risiko auf sich? Nicht alle ihre Fragen konnten die beiden Deutschen endgültig klären. Deshalb möchte der Filmemacher seinen Großonkel auch nicht als Helden verklären. Womöglich trieb ihn das Geld, denn Josef und Stepanka Novak träumten von Amerika. Ladislav Feierabend schrieb später, dass der Preis für die Fluchthilfe angemessen gewesen sei. Dennoch: „Ich bewundere diesen Mut“, sagt Holger Rada.
So sind es die beiden Lebenswege von Josef Novak und Ladislav Feierabend, die in der Dokumentation zusammenlaufen. Dazu kommen die Schilderungen von Ivo Feierabend und anderen, die helfen, das Geschehen von damals einzuordnen. Die 55 Minuten sind sehr viel mehr als ein Kapitel Familiengeschichte.
Für Holger und Uwe Rada, der als Journalist und Autor arbeitet, war es sehr wichtig, die historischen Zusammenhänge zu zeigen. Sie haben viel gelernt über Tschechien und glauben, die Mentalität der Menschen und ihr besonderes Verhältnis zu Deutschland heute besser verstehen zu können. Womöglich hilft ihr Film, der unter anderem beim internationalen Filmfestival in Cottbus gezeigt wurde, auch anderen dabei. Am 9. Januar um 18 Uhr wird er im Cinemotion-Kino präsentiert.

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