
Davor natürlich schon. Doch wenn es handgreiflich zu werden drohte, standen immer noch drei starke Männer im Hintergrund. „Die waren zuerst gar nicht begeistert darüber, dass plötzlich eine Frau der ,Boss‘ sein sollte“, erinnert sie sich. Ob es deswegen auch manchmal länger als nötig dauerte, bis in Krisenfällen die „Kavallerie“ kam, ließe sich im Nachhinein schwer sagen. „Wir waren dann aber bald ein gut eingespieltes Team.
„Hinter die Bar wollten sie mich ja nicht lassen“, sagt Jessica Janssen und lacht: „Die dachten, da würde sich keiner trauen zu bestellen.“ Dabei konnte die auf manch einen bedrohlich taff wirkende Amazone auch sehr charmant sein. Was an der Tür genauso wichtig war wie die Konfliktfähigkeit, die sie in ihrer Vergangenheit in der Hausbesetzerszene erlernt hatte.
Am wichtigsten waren jedoch die Eigenschaften, die sie auch für ihren eigentlichen Beruf als Erzieherin mitbringen musste: Instinkt, Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Damit war dann selbst dem etwas verlotterten Biker beizukommen, der mit Schnürleder-Jeans und Flanellhemd abgewiesen werden musste. Dabei habe er sich doch rasiert und eine frische Unterhose angezogen, meinte der stinkig. Reicht nicht, bedeutete ihm Jessica Janssen und gab genaue Anweisung, was zu tun sei: „Nach einer Stunde stand der wirklich wieder da, saubere Jeans, weißes Hemd und Lederschuhe – unglaublich.“
Andere ließen sich nicht so einfach beeinflussen. Vor allem Frauen, die aufgetankt und in der Gruppe kamen. „Am schwierigsten waren die von Ende 30 bis Mitte 40, die waren verbal ganz problematisch“, formuliert es Bremerhavens erste Türfrau „einmal vorsichtig“. Noch Jahre später sei ihr von Zurückgewiesenen in der Fußgängerzone hinterhergepöbelt worden. Unschön auch das Erlebnis mit einem hoch aggressiven Gast, der sich im Auto mit aufgeblendeten Scheinwerfern und aufheulendem Motor vor der Tür aufbaute und damit drohte, in den Eingangsbereich zu rasen.
Weil dem Publikum aber immer etwas Neues geboten werden musste, stieß zwei Jahre später „Enterprise“-Chef Hermann Giesche dazu. Gemeinsam investierten sie noch einmal Millionen, sortierten die Räumlichkeiten neu, hängten ausrangierte Jagdflugzeuge an die Decke und starten mit der größten Lichtanlage der Stadt unter dem Namen „Get Up“ zu einem neuen Höhenflug. „Das war der Hammer“, sagt Steffens. „An den Wochenenden kamen bis zu 4000 Leute.“
Doch nicht alle haben nur gute Erinnerungen an das „Get Up“. Im Laufe der Zeit häuften sich die Probleme mit gewalttätigen Gästen. Ein Versuch, den Einlass mit Mitgliederkarten zu regeln, wurde wieder abgebrochen. Im September 1994 stieg Steffens aus, 1995 machte Giesche den Laden dicht, da die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen waren – nicht zuletzt wegen der ungelösten Gewaltprobleme.
Jessica Janssen war da schon lange nicht mehr dabei. Sie hatte in der Anfangszeit des „Ballhauses“ an der Tür gearbeitet. Heute regelt sie nur noch Konflikte in einer Gruppe, die zwar auch nicht ganz unproblematisch, aber doch deutlich leichter zu lenken ist als aufgeheizte Discogänger: ihre Kindergartenkinder.
Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNG widmet sich seit dem 2. März 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven. Für jeden Ort und jede Gemeinde erscheinen zur Veröffentlichung aktuelle Luftbilder. Diese Luftbilder können Sie nun auf hochwertigem Fotopapier in unseren Kunden-Centern bestellen. Hier erfahren Sie mehr.

Individuelle Nachrichtenauswahl - immer aktuell
Wir unterstützen Sie dabei gezielt diejenigen Nachrichten, die für Ihren Internetauftritt interessant sind, ohne viel Aufwand zu integrieren. Dafür haben wir ein Modul entwickelt, das Sie ganz leicht mit wenigen Klicks selbst an Ihre Anforderungen anpassen können.