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Flaute am Columbus-Bahnhof

Bremerhaven. Es ärgert den Chef des Kreuzfahrtterminals gewaltig. „Wir können nur noch winke, winke sagen, wenn sie an uns vorbeifährt“, sagt Veit Hürdler. Sie – das ist die „MSC Lirica“. Der Verlust der MSC-Reederei trägt mit zum dramatischen Einbruch am Columbus Cruise Center bei: 53 000 Passagiere kommen dieses Jahr, das ist weit mehr als eine Halbierung.

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Was für ein Unterschied zu den vergangenen zwei fetten Jahren, als jeweils rund 130000 Fahrgäste am Kreuzfahrtterminal die Schiffe bestiegen. Der Absturz ist auch deshalb so bitter, weil das Geschäft mit den Traumreisen nach wie vor boomt: Die Branche meldet Rekordzahlen, und die Konkurrenzhäfen freuen sich über Zuwächse. Verlierer ist Bremerhaven, und neben den schlechten Geschäftszahlen fuchst den Geschäftsführer auch der Imageschaden.

Den anderen geht es blendend. Kiel, beliebtester Kreuzfahrtterminal, hat 138 Schiffsanmeldungen für dieses Jahr und rechnet mit 300 000 Fahrgästen. Aber auch Hamburg Cruise Center hat Bremerhaven abgehängt: An der Elbe erwartet man 100 Schiffe und 200 000 Passagiere. Bremerhaven erwartet nur 50 Anläufe.

Was ist schief gegangen? Hürdler nennt zwei Gründe. Erstens: die Insolvenz von Transocean. Die „Astoria“ fiel damit weg, ebenso die „Marco Polo“, die für rund 15 Anläufe sorgte. Der zweite Grund sei eben der Abzug von MSC. Die Großbaustelle auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen behinderte die für die Reederei lukrativen Ausflüge von Bremerhaven in die Elbmetropole. Besonders ärgerlich: „Wir hatten schon den Auftrag für die Proviantierung der ,MSC Lirica‘ in der Tasche. Nun ist alles hinfällig.“

Der Optimismus hat Hürdler trotz des Rückschlags nicht verlassen. Bremerhaven sei mit den Havenwelten weiterhin eine attraktive Adresse für Kreuzfahrer. Der Aufbau der Touristenattraktionen habe dazu geführt, dass Kreuzfahrtgäste früher anreisten und in der Stadt übernachteten. Bremerhaven biete als Standort Vielfalt: Die Havenwelten, Ausflüge nach Bremen, Hamburg, Bad Zwischenahn.

Vom Ostseeboom wird das Kreuzfahrtterminal nicht mehr profitieren können. „Da passt Bremerhaven nicht in das Routenkonzept.“ Hürdler hofft auf neue Reiserouten für amerikanische Reedereien. Bremerhaven macht bei der Atlantic Alliance mit, einer Vertriebskooperation von 15 westeuropäischen Häfen.

Den Magistrat beschäftigt das Problem ebenfalls. „Der Kreuzfahrtterminal muss besser mit dem Tourismuskonzept verzahnt werden“, sagt Dr. Ralf Meyer vom Referat für Wirtschaft. Hürdler setzt auf den neuen Tourismuschef. Volker Kölling habe das Thema Kreuzfahrt sofort angesprochen, ohne auf seine Initiative zu warten. (mue)

Artikel vom 12.03.10 - 11:00 Uhr
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