Schlimm genug – doch um ein Haar, sagt Patrick Fiedler von der Geschäftsleitung geschockt am Tag danach, hätte das Feuer, das gegen 22 Uhr in der Sitz-Blockhütte unmittelbar neben der Räucherei loderte, noch zu einer Tragödie führen können: „Die Gasheizung in der Hütte ist abgebrannt, die Leitungen des Geschäfts sind angeschmolzen, aber die Notriegelung war sofort dicht, und wir haben gleich die Hauptleitung zugedreht. Das hätte böse ausgehen können.“ Die vom Wachdienst kurz nach 22 Uhr alarmierte Familie Fiedler, der Hausmeister und 17 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei sind der Explosionsgefahr wohl knapp entronnen. Doch eine Katastrophe ist das Unglück – dessen Ursache derzeit ermittelt wird. Auch Brandstiftung, so Fiedler, schließe die Kripo nicht aus – für den Traditionsbetrieb dennoch: Denn nicht allein das Innere der Besucher-Hütte ist ausgebrannt, vor allem die angrenzende Räucherei ist ruiniert, Leitungen liegen in Klumpen geschmolzen herum, die schwarz verkohlte Decke hängt in Fetzen.
„Die Fenster der Hütte zur Räucherei sind geplatzt, drei unserer fünf großen Räucheröfen zertrümmert und verzogen von der Hitze und herabgefallenen Trümmern“, zieht Patrick Fiedler Bilanz – noch groggy von den drei Stunden Schrubberei, um für die Passanten wenigstens die roten Bodenklinker des Dorfs von Asche, Rußschmier und Spuren der Löscharbeiten zu befreien.
Für das gesamte Waren-Sortiment im abgesperrten Kolonialwarenladen daneben aber sind alle Reinigungsversuche vergebens: „Alles ist kontaminiert vom giftigen Rußfilm und muss vernichtet werden.“ Tee, Kaffee, Marmelade, Gebäck, Süßes, Kerzen, Dekorationen, „die Rußpartikel dringen ja in alles ein, auch der Geruch ist nicht wegzukriegen“. Außer den Waren und der verrußten Decke muss auch die komplette Klima-Anlage raus. „Für die Spezialreinigung.“
Der gesamte Produktionsbereich für den Großhandel muss – zerstört von Rauch und Hitze – den Betrieb einstellen. „Für sechs bis acht Wochen mindestens“, schätzt der 24-jährige Juniorchef, „wir müssen unsere Großhändler leider vertrösten.“ Eineinhalb Tonnen Stremellachs hingen am Montagabend im aromatischen Rauch der Öfen, als der Wachmann des Schaufensters Fischereihafen bei der abendlichen Inspektionsrunde die Flammen entdeckte und sofort Feuerwehr und Firmenchefs alarmierte. „Das Löschen ging schnell, aber die Feuerwehr war noch bis ein Uhr dran.“ Eine Zwischendecke musste herausgebrochen werden, um Glutnester zu vernichten.
Fiedlers Bilanz: „Der Lachs ist hin. Und die Öfen – die allein sind eine halbe Million Euro wert.“ Insgesamt, schätzt er, übersteige der Schaden eine Million. Denn auch im Kühlhaus dahinter hat der Brand-Rauch acht bis zehn Tonnen Lachs, Heilbutt, Forelle und Aal kontaminiert, die bei milderen Temperaturen hätten veredelt werden sollen. „Wir haben im Kühlhaus für den Einzelhandel aber noch genügend Ware“, ringt Fiedler um Optimismus, „die muss jetzt umgeschichtet werden. Und wir müssen sehen, wie wir zum Räuchern ausweichen oder Ware zukaufen können.“ Alles Weitere ergeben die Ermittlungen der Brandexperten der Polizei und der Versicherung. „Glück gehabt, dass unser Einzelhandel nichts abbekommen hat.“ Und dass das Restaurant im vorigen Herbst von der Räucherei weg in die Mitte der Laden-Zeile gezogen ist. „Sonst hätten wir lange nicht kochen können.“
