
„In den 50er Jahren gab es einen unheimlichen Nachholbedarf“, erinnerte sich Ingrid Almstedt, eine geborene Wedemeyer, deren Familie an diesem hektischen Kapitel Stadtgeschichte maßgeblich mitgeschrieben hat: „Die Leute wollten sich amüsieren und lustig sein – auf Teufel komm raus.“ Vater Rudi Wedemeyer hatte da den richtigen Riecher, als er nach dem Krieg das Tanzlokal „Deutscher Garten“ übernahm, das dann später unter der Regie seines Bruders August wieder als Gartenlokal mit beleuchteten Pavillons und kleinen Tempeln geführt wurde.
Hier war auch die Hochburg des Karnevals und das Ziel der Rosenmontagsumzüge, die damals noch richtige Festwagen mitführten. An den drei tollen Tagen war im „Deutschen Garten“ buchstäblich der Teufel los. Zu den Künstlern jener Jahre gehörten Lale Andersen, Roswitha Serrano, Silvio Francesco und die Drei Piheiros, die mit dem augenzwinkernden Schlagercharme jener Jahre verkündeten „Wasser ist zum Waschen da“. Sollte heißen: Getrunken wird was Schärferes.
Nebenan im Capitol gab Onkel Heinrich Wedemeyer sen. den Takt an. Dort traten große Showorchester wie das von Bernhard Etté auf, der damals einen Ruf genoss wie später Max Greger oder James Last. „Im roten Foyer“, erzählte Ingrid Almstedt, „sehe ich noch seine Sängerin Gabriele Leval an der Bar sitzen, ganz dekorativ mit ihrer Dogge Claire neben sich und einem Glas Weinbrand in der Hand.“
Das brodelnde Nachtleben hatten die Wedemeyers schon vor dem Krieg maßgeblich mit angeheizt. Großvater Heinrich zum Beispiel gehörte der sagenumwobene „Volksgarten“ auf dem Gelände der heutigen Goetheschule, der mit aufwendigen Varieté- und Zirkusprogrammen das Publikum in Scharen anzog.
Der Allround-Sportsmann war sich als Lokalmatador auch nicht zu schade, gegen Willy Beißwanger, „Meister von Hamburg und Meister der Flotte seit 1917“ in den Boxring zu steigen. Als Onkel Heinrich kurz nach dem Gong hereinstürzte, um seinen Bruder anzufeuern, war die Sache bereits gelaufen: „Da war Papa schon K.o.“
Seiltänzerin Hedwig fand so viel Tollkühnheit einfach hinreißend. Sie wurde später seine Frau.
Die NORDSEE-ZEITUNG hat in ihrer Ausgabe vom 20. Mai 2010 auf Seite 14 unter der Überschrift „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ zwei Fotos aus der damaligen Gaststätte „Frizz“ veröffentlicht. Urheber dieser Fotos ist Herr Thomas Jürgewitz. Wir bedauern, den Urheber nicht genannt zu haben.
Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNG widmet sich seit dem 2. März 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven. Für jeden Ort und jede Gemeinde erscheinen zur Veröffentlichung aktuelle Luftbilder. Diese Luftbilder können Sie nun auf hochwertigem Fotopapier in unseren Kunden-Centern bestellen. Hier erfahren Sie mehr.

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