
Heinz Gockel war zu jener Zeit einer der bekanntesten Gastronomen in der Rickmersstraße. An der Ecke Stormstraße, direkt neben dem Aladin-Kino, betrieb er ab 1956 das Tanzcafé „Columbia“. Der Dolmetscher Peter Hennes, ein begabter Hobbymaler, hatte ihm dort das Segelschiff „Santa Maria“, einen spanischen Ritter und einen Indianer in prachtvollem Gewand an die Wände gepinselt.
Im ersten Stock eröffnete Gockel für ein ganz junges Publikum das „Mon Cheri“, das eine Grafikerin aus dem Bremer Schnoorviertel poppig ausgestaltet hatte. „Die erste Disco“, meint Gockel, denn ein Discjockey legte dort vor zumeist vollem Haus Soul- und Rockmusik auf.
Im „Columbia“ hatten anfangs noch zwei Bremerhavener Musiker – Rudi Rommel (Akkordeon) und Erwin Laas (Geige) die Gäste mit deutscher Tanzmusik unterhalten. Später gehörte eine sechsköpfige Hawaian-Band von Bord des amerikanischen Truppentransporters „U.S.S. Upshore“ zur Stammbesetzung. „Die spielten während ihrer Landgänge etwa zehn Jahre bei uns“, so Gockel.
Überhaupt war das „Columbia“ ein fester Anlaufpunkt für die amerikanischen Schiffsbesatzungen. „Die Leute kamen rein, legten ein paar Dollar auf den Tisch und bestellten Bier, V.O. Whisky oder Weinbrand/Cola“, erzählt der Wirt. „Geöffnet war anfangs durchgehend. Irgendwann mussten wir dann eine vierstündige Pflichtpause einlegen. Das waren goldene Zeiten.“
Zur gleichen Zeit war damals auch Birgit „Kulle“ Kutscher im Leher Vergnügungsviertel unterwegs. Vom „Seebeck am Markt“ ging es häufig über die Gaststätte Britzwein in der verlängerten Hafenstraße, das „Smoky“ und den Deutschen Garten in die Rickmersstraße. „Da war damals viel mehr los, als zum Beispiel in der Lessingstraße“, erinnert sie sich. Zu ihrem Lieblingslokal wurde die „Puszta-Klause“ an der Ecke Goethestraße, die auch gerne von Besatzungsmitgliedern der „Bremen“ und der „Berlin“ angesteuert wurde. „Wir haben dem Wochenende regelrecht entgegengefiebert“, sagt sie. „Das war eine herrlich unbeschwerte Zeit, da haben wir so manche Nacht durchgemacht, auch wenn es am nächsten Morgen immer Ärger mit meiner Mutter gab.“
Das Ende der Goldgräberstimmung deutete sich an, als die Truppentransporter Bremerhaven nicht mehr anliefen und die Amerikaner langsam wegblieben. „Besonders mit den Isländern von den Fischdampfern war nicht gut Kirschen essen“, erzählt Heinz Gockel.
Doch auch damit konnte der erfahrene Wirt umgehen. Wenn Ärger drohte und mal „Not am Mann“ war, wandte er sich vertrauensvoll an Terry Thun, „ein stadtbekannter Schläger, der sich meist gegenüber in der ,Sportklause‘ aufhielt. Wenn der mit seinem Schäferhund rüber kam, herrschte schlagartig Ruhe“.
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