
Am 14. Juli 1990 lief das damals erst sieben Jahre alte Schiff zur Reparatur bei den Motorenwerken in den Kaiserhafen ein. Die Maschinen sollten überholt werden und wurden ausgebaut. Kurz danach marschierten Saddam Husseins Truppen in Kuwait ein. Über den Irak verhängten die Vereinten Nationen ein Embargo – und die „Al Zahraa“ musste bleiben, wo sie war, als Faustpfand der Diplomatie. Denn über ihre Rampen sollen schon die Panzer gerollt sein, als die irakischen Machthaber gegen ihre iranischen Nachbarn Krieg führten. Als Kriegsgerät also galt die „Al Zahraa“, deren Name übersetzt „Die Rose“ heißt und die zum Transport von Fahrzeugen gebaut worden war.
Bald 21 Jahre lang ist das Bagdader Transportministerium trotzdem für alle Kosten aufgekommen. 2000 Euro pro Monat überwies eine Bremer Agentur für Liegeplatz, Wasser und Strom. Auch zwei irakische Wachmänner waren ständig an Bord der „Al Zahraa“ und führten ein einsames Leben zwischen Schiff und Seemannsmission. Sie blieben in der Regel ein halbes Jahr – bis auf Adel und Abdullah, die in den Wirren des zweiten Golfkrieges an Bord vergessen wurden und zwei Jahre lang in Bremerhaven bleiben mussten, weil ihre Ablösung nie eintraf. Sogar ein Dokumentarfilm wurde über „die Vergessenen der ,Al Zahraa’“ gedreht.
Die alten Mannschaftsunterkünfte standen schon da voll mit Gerümpel, und was nicht niet- und nagelfest war an Bord, war längst verscherbelt worden. Weil die Hafenbehörden irgendwann fürchten mussten, dass der Frachter leckschlägt, ließen sie nach acht Jahren Liegezeit alle Ventile zuschweißen und Roststellen am Unterschiff beseitigen. „Wir hätten bald wieder ins Dock gemusst, um den Zustand des Rumpfes zu überprüfen“, sagt der Schiffsagent Ahmed Faid, „das wäre alles zu teuer geworden.“ Die irakische Staatsreederei musste sich vom Plan verabschieden, den Frachter doch wieder in Fahrt zu bringen. „Die letzten Kontakte haben sich zerschlagen“, sagt Faid. Deshalb wurde die „Al Zahraa“ an den litauischen Abwracker verkauft. Den Irakis fehlen die Millionen, und auch das Auswärtige Amt winkte schon vor zwei Jahren ab, die Kosten zu übernehmen. In die diplomatischen Gespräche soll sogar das Kanzleramt eingebunden gewesen sein.
Nächste Woche fliegen die letzten beiden Wachmänner nach Hause, und die „Al Zahraa“ wird von zwei Schleppern der Cuxhavener Reederei Otto Wulf abgeholt. Die Überfahrt nach Klaipeda soll eine Woche dauern.
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