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Droht im Hafen Leerstand?


Überseehäfen. Die Meldung ließ so manchen im Hafen aufhorchen: Mit einem Rabatt von 70 Prozent auf die Liegeplatzgebühren will der Jade-Weser-Port auf Kundenfang gehen. Droht zwischen den Nordsee-Häfen also mit der Inbetriebnahme des Wilhelmshavener Containerterminals ein Preiskampf? Experten jedenfalls warnen bereits vor Überkapazitäten in den Häfen. Von Christoph Barth


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Leere Kajen: So sah es in der Wirtschaftskrise 2009 auf dem Containerterminal zeitweise aus. Luftfoto Scheer

Diese Woche war es der scheidende Hafendirektor von Le Havre, Laurent Castaing, der bei der Vorstellung der nicht gerade berauschenden Bilanz für 2011 – sechs Prozent weniger Container gegenüber dem Vorjahr – ein eher düsteres Bild für die Häfen der so genannten „Nordrange“ malte: Die miteinander konkurrierenden Containerterminals zwischen Le Havre und Hamburg würden zurzeit in einem Tempo ausgebaut, dass Überkapazitäten drohten. Die Folge werde ein sich verschärfender Preiskampf zwischen den Terminalbetreibern sein, um ihre Anlagen auszulasten.

Unabhängige Experten bestätigen, dass Angebot und Nachfrage in den nordwesteuropäischen Containerhäfen aus dem Gleichgewicht geraten sind. „Nach einer Untersuchung, die wir im vergangenen Jahr durchgeführt haben, bestanden bereits 2010 erhebliche Überkapazitäten in den Nordrange-Häfen“, sagt Sönke Maatsch vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Rotterdam, Hamburg, Antwerpen, Bremerhaven, Zeebrügge und Le Havre verfügten zusammen über eine Umschlagkapazität von rund 60 Millionen Standardcontainern (TEU). Dem stand 2011 ein Umschlag von nur 40 Millionen TEU gegenüber.

„Das Problem ist im Wesentlichen in den vergangenen Jahren entstanden: Zwischen 2005 und 2010 wurden in der Hamburg-Le Havre-Range mehr als 20 Millionen TEU an Umschlagkapazitäten geschaffen“, rechnet Maatsch vor. „Der Umschlag stieg jedoch durch die Finanz- und Wirtschaftskrise um lediglich 6,2 Millionen TEU.“

Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: „Aufgrund der bereits im Bau befindlichen Projekte wie Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven und Maasvlakte II in Rotterdam sowie weitere Ausbauplanungen oder Produktivitätssteigerungen werden bis 2015 noch mal mehr als 10 Millionen TEU hinzukommen“, prognostiziert Maatsch. Der Umschlag wächst nach den Prognosen des ISL ebenfalls um 10 Millionen TEU. „Dies bedeutet, dass das Problem der Überkapazität noch mindestens bis 2015 unverändert anhält“, resümiert der Wissenschaftler.

Preiskampf an der Kaje

Von Leerständen bedroht sind zwar nach Einschätzung des ISL vor allem die Westhäfen, also Rotterdam und Antwerpen. Denn die deutschen Häfen – Hamburg, Bremerhaven und ab August auch Wilhelmshaven – liegen näher an den wachstumsstarken Märkten in Osteuropa. In der Wirtschaftskrise 2008/09 jedoch zeigte sich, wie hart die Westhäfen um die lukrative Transshipment-Fracht – Ladung, die im Hafen zwischen Überseeschiff und Zubringerschiff umgeladen wird – zu kämpfen bereit sind. Auch die Wirtschaftsberatungsgesellschaft McKinsey erwartet in einer Studie für den Hafen von Rotterdam „angesichts der Ausweitung der Kapazitäten in der Region einen erheblichen Wettbewerb, insbesondere im Transshipment-Bereich“.

Beim Terminalbetreiber Eurogate sieht man die Lage dagegen entspannt. „Es gibt freie Kapazitäten in den Häfen, aber sie sind nicht dramatisch hoch“, sagt Eurogate-Chef Emanuel Schiffer. Da ein Hafen bei voller Auslastung nicht optimal funktioniert, sei die von den Wissenschaftlern errechnete Kapazität von 60 Millionen TEU in der Nordrange eher ein „theoretischer Wert“. Schiffer geht von einer tatsächlich nutzbaren Kapazität von 48 Millionen TEU aus. Die 650 000 TEU, mit denen der Jade-Weser-Port im August an den Start geht, fielen da kaum ins Gewicht. Die volle Auslastung der vier Liegeplätze sei erst für 2020 vorgesehen.

In Bremerhaven werde die Inbetriebnahme des Jade-Weser-Ports deshalb keine Löcher reißen. „Vielleicht wird es mal ein Jahr keine Zuwächse geben“, sagt Schiffer – nach einem üppigen Plus von 20 Prozent im vergangenen Jahr. Und zur befürchteten Rabattschlacht der Häfen sagt er: „Den Druck auf die Preise gibt es. Aber das liegt weniger an Überkapazitäten als an den roten Zahlen der Reeder.“

Artikel vom 03.02.12 - 16:00 Uhr
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