
Bestenfalls haben die Kinder die Gifte über den Schweiß bei Umarmungen aufgenommen, schlimmstenfalls sind ihnen die Drogen von den Eltern verabreicht worden. Sozialdezernent Klaus Rosche (SPD) hat sofort reagiert und nahm die Kinder, soweit noch nicht geschehen, aus den Familien heraus. Ob sie dauerhaft in staatlicher Obhut bleiben, ist unklar. „Das werden die Familiengerichte entscheiden“, sagt Rosche. „Vielleicht haben wir sie zu Unrecht herausgenommen. Aber das Kindeswohl hat erst einmal Vorrang“, ergänzt er.
24 Kinder sind überprüft worden. Es sind Kinder, deren Eltern mit der Ersatzdroge Methadon versorgt werden. Sie soll ihnen helfen, von harten Drogen wie Heroin und Kokain loszukommen. Nicht selten geht das gründlich schief und es werden zusätzlich zum Methadon weiterhin andere Drogen genommen.
Von den 24 Kindern sind sieben Kinder ohne Befund. Bei weiteren sieben fand man nur schwache Drogenkonzentrationen im Haar, bei zehn Kinder fand man höhere Dosen. Toxikologen der Berliner Charité sollen jetzt Antworten auf die Frage finden, wie die Kinder die Drogen aufgenommen haben. Laut Rosche wird man aber wohl erst im Mai einen Termin bekommen.
Die Berliner gelten als absolute Experten. Auch die Behörden in der Stadt Bremen haben den Berlinern die Untersuchungen von Kindern drogenabhängiger Eltern anvertraut. In der Hansestadt war man zuerst aktiv geworden. Hier hatte man bereits 2010 Haarproben untersuchen lassen.
Die ersten schrecklichen Erkenntnisse in Bremen entfachten eine breite öffentliche Diskussion. Die veranlasste schließlich auch den Magistrat, in dieser Richtung tätig zu werden, sagt Rosche. Im September vergangenen Jahres legte man los. In der damaligen Presseerklärung war nicht davon die Rede, dass man die Hilfe der Berliner in Anspruch nehmen würde.
Bislang haben bundesweit nur wenige Kommunen zum Mittel der Haaranalysen gegriffen. Ihre Aussagefähigkeit bleibt umstritten. „Ob sie auch zukünftig das richtige Mittel sein werden, muss sich erst noch erweisen“, sagt Rosche.
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