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Disco statt Tango im Capitol


bremerhaven. Disco statt Tango: Aus der Tanzschule Mohr in der Hafenstraße wurde 1988 eine der größten Discos der Stadt – das „Broadway“. Mit den Umbauarbeiten wurde begonnen, während das dahinter gelegene „Kraftwerk“ bereits in den letzten Zügen lag. Doch dem neuen Tanzpalast war nur eine kurze Blüte beschert. Von Rainer Donsbach


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Gute Miene zum bösen Spiel: Als Oliver Cheatham (2. von links) mit seinem Hit „Get down saturday night“ ins „Broadway“ kam, war der Saal so gut wie leer. Das Foto zeigt ihn mit den beiden Deejays Markus Abeling (rechts) und Helmut Ruschmeyer sowie der Sängerin Karen Stringer (Style). Foto pr

„Vielleicht waren wir unserer Zeit auch ein wenig voraus“, sagt Markus Abeling, der zu jener Zeit zu den angesagtesten Deejays der Stadt gehörte. Als in England die Acid-House-Welle bereits gehörig schäumte, war er der erste, der die Bremerhavener mit dem neuen Trend bekannt machen wollte. Doch zu der allerersten Acid-House-Party der Stadt kamen nur einige Handvoll Musikbegeisterte ins „Broadway“. „Das lag wohl auch am Blitzeis“, erinnert er sich heute an die widrigen Wetterverhältnis und lacht: „Wahrscheinlich war es aber einfach zu neu und noch zu unbekannt.“

Aufwendiger Umbau

Mit dem konventionellen Discobetrieb war es anfangs noch ganz gut losgegangen. Der Gastronom Heinz-Gerold Büsing war in den Pachtvertrag des Tanzlehrers Gerd Mohr eingestiegen, der sich mit dem ehemaligen Capitol-Kino ein wenig verhoben hatte, und hatte es relativ aufwendig umbauen lassen. Während im Saal das Großdisco-Programm mit den entsprechenden Lautstärken gefahren wurde, herrschte in der ersten Etage Klub-Atmosphäre. Dort oben saßen auch die Discjockeys Abeling und Helmut Ruschmeyer in einer Art Kanzel, von wo aus sie die Tanzfläche im Blick hatten. Doch irgendwie wollte das „Broadway“ nicht richtig in Schwung kommen.

Auch mit Livemusik war dort kein Blumentopf zu gewinnen. Die Frustgrenze für die Veranstalter war überschritten, als selbst ein Konzert mit Oliver Cheatham brutal floppte. Der Mann hatte zu jener Zeit mit „Get down saturday night“ einen Riesenhit, der auch in verschiedenen Remixen ein Erfolg wurde. Heute berufen sich Musik-Hipster wie Franz Ferdinand und Daft Punk auf den Mann. „Zu dem Konzert damals kamen 10, 15 Gäste“, sagt Abeling. „Es war auf jeden Fall mutig, so etwas zu machen.“ Honoriert wurde es nicht.

Erschwerend kam hinzu, dass Paul Steffens zur gleichen Zeit die großen Lagerhallen am Zolltor Rotersand zum „Ballhaus“ umbauen ließ. Zuvor hatte Steffens in einem langgestreckten Anbau hinter dem Capitol, dem früheren „Deutschen Garten“, mit großem Erfolg die Diskothek „Kraftwerk“ betrieben. Weil der Pachtvertrag von der Stadt nicht verlängert wurde, wäre auch er gern in die Tanzschule umgezogen. Im Nachhinein wahrscheinlich ein Glücksfall, dass das nicht geklappt hat.

Ein gutes halbes Jahr nach der Eröffnung gingen im „Broadway“ nämlich schon wieder die Lichter aus. Heute sind im Capitol der Bürgerrundfunk und die Angestelltenkammer mit ihrem Kulturprogramm zu Hause.

Artikel vom 08.04.10 - 06:00 Uhr
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