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Dienst-Cabriolet für den Chef?


Bremerhaven. Es ist ein Vorzeige-Projekt. Seit Jahren zieht das Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) interessante und lukrative Forschungsaufträge der Europäischen Union an Land. Aber hinter der Fassade des wissenschaftlichen Aushängeschilds brodelt es. Mitarbeiter haben offenbar Angst um ihre Jobs, Angst vor drohender Insolvenz. Und sie werfen dem Chef Unfähigkeit vor. Von Klaus Mündelein


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Mit einem offenen Brief verschafften die Mitarbeiter ihrem Ärger Luft. Das Schreiben ging an das Wirtschafts- und an das Finanzresort, an den Oberbürgermeister, an den Hochschulrektor und an die Stadtverordnetenfraktionen von SPD, CDU und Grünen. Die FDP schlug Alarm. „Die Missstände müssten aufgeklärt werden“, sagte Magnus Buhlert vom FDP-Landesverband. Er fordert, den Landesrechnungshof einzuschalten. Es dürfe nicht sein, dass das Institut durch Misswirtschaft der Geschäftsführung in eine existenzbedrohende Lage gebracht werde.

„Der Brief hat mich betroffen gemacht und berührt“, sagte Professor Dr. Josef Stockemer, Rektor der Hochschule. Bewerten will er die Vorgänge aber erst, nachdem er die Vorwürfe im Detail prüfen konnte.

Die Verfasser des offenen Briefs bleiben anonym. Sie haben offenbar „Angst vor weiteren Repressalien und persönlichen Konsequenzen“, wie es im Brief heißt. Überprüfbar sind die Angaben vorerst nicht. Auch beim TTZ gab es keine Auskunft. „Hier ist keiner zu sprechen. Melden Sie sich später nochmal“, hieß auf die Frage, ob Geschäftsführer Werner Mlodzianowski (Foto) sich zu dem Brief äußert.

Das TTZ, so die Verfasser des Briefs, ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Es schreibe Verluste, und die EU fordere Geld zurück. Obwohl der Chef das Problem im Blick gehabt habe, seien weder Rückstellungen gebildet noch Sparmaßnahmen ergriffen worden. Im Gegenteil. Es habe weiterhin teure, unnötige Dienstreisen gegeben, und die Dienstwagen-Flotte habe sich vergrößert. Jetzt werde von den Mitarbeitern verlangt, aufs Weihnachtsgeld zu verzichten. Und das, obwohl schon in den vergangenen Jahren auf tariflich zustehende Lohnerhöhungen verzichtet wurde.

Die Mitarbeiter haben offensichtlich Angst, die Zeche für merkwürdige Großzügigkeiten zahlen zu müssen. Gehälter, so heißt es in dem Brief, würden willkürlich gezahlt, die große Dienstwagenflotte soll nicht nach Notwendigkeit, sondern Sympathie verteilt worden sein. Und der Chef selbst soll sich ein Cabriolet als Dienstwagen gegönnt haben.

Zynismus statt Antworten

Konzeptloser Führungsstil des Chefs, Zynismus statt ehrliche Antworten auf die Fragen der Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung – das sind in den Augen der Briefschreiber Gründe, sich zur Rettung des TTZ direkt an die Politik zu wenden. Auch vom Vorstandsvorsitzenden des TTZ-Trägervereins, Jörg Peters vom Wirtschaftsressort, sind die Autoren enttäuscht. Inzwischen haben sie auch bei Verdi Hilfe gefunden. Sie wollen mit der Gewerkschaft ein gerechtes Entlohnungssystem wie an anderen Forschungsinstituten durchsetzen.

In der Politik herrscht angesichts des Brandbriefs Verunsicherung. „Wir hatten keine Kenntnisse von den Vorgängen“, sagt Finanzressortsprecher Dr. Daniel Buscher. Sein Haus will sich mit dem Wirtschaftsressort in Verbindung setzen. Dort will man sich erst nach einer Prüfung der Vorwürfe äußern, auch vom OB gab es keine Stellungnahmen. CDU-Fraktionschef Paul Bödeker äußerte den Verdacht, dass das Ressort sich zu wenig um das TTZ gekümmert habe und vermutlich dort die Kosten aufgebläht wurden. „Das TTZ ist eine gute Einrichtung, aber es muss kontrolliert werden“, sagte er.

TTZ

Das TTZ ist ein Verein. Gesellschafter sind unter anderen das Land und die Hochschule. Rund 90 Mitarbeiter forschen hier in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Gesundheit.

Artikel vom 31.07.12 - 12:00 Uhr
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