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Die Fronten sind festgefroren


Bremerhaven. In kleinen Gruppen stehen sie am Rand des Bootsteiches im Speckenbütteler Park zusammen. Hastig gehen die Blicke nach links und rechts. Keiner da, der guckt. Das ist wichtig, denn gleich werden Jürgen Bockhop und seine Freunde etwas Illegales tun. Sie gehen Eislaufen. Von Tobias Schwerdtfeger


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Jürgen Bockhop misst selbst nach.

Der Wind weht durch das Fell am Saum von Jürgen Bockhops Jacke. Die Sonne scheint, die Temperatur liegt um den Gefrierpunkt. Bockhop hat sich gerade seine Schlittschuhe untergeschnallt. Jetzt steht der 72-Jährige am Rand des zugefrorenen Teichs im Speckenbütteler Park und schaut angestrengt den Siebenbergensweg hoch. Keine Polizei in Sicht. Dann gibt er Gas und verschwindet mit zwei, drei kräftigen Schritten auf dem Eis.

Bockhop ist sauer. Auch nach zwei schnellen Runden auf dem Eis hat er noch Wut im Bauch. Er ist hier im Park so etwas wie der „Eismeister“, kümmert sich um die Oberfläche, sucht nach Löchern und schiebt den Schnee beiseite. Weil die Stadt nicht messen will, macht Bockhop das eben selbst. „Ich messe jeden Tag“, sagt er. Gerade gestern hat er ein Stück Eis mit seiner Axt herausgeschlagen. „24 Zentimeter. Was wollen die eigentlich noch?“

Die, das sind Gartenbaudezernent Peter Pletz (Grüne) und Gartenbauamtsleiter Leroy Czichy. Seit Tagen weigert sich die Stadt beharrlich, Eis-Messungen an den Teichen in der Stadt vorzunehmen. Bockhop hat die Berichterstattung in der NORDSEE-ZEITUNG verfolgt. „Ich glaube, der Dezernent hatte selber noch nie Schlittschuhe unter den Füßen“, ärgert sich Bockhop.

Das Eis sei in all den Jahren noch nie so dick gewesen wie in diesem Winter. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, freut sich der begeisterte Schlittschuhläufer. Morgen wird er natürlich wieder messen gehen. Und fahren. Leichtsinnig sei er nicht, sagt der Rentner. „Sicherheit geht vor“, sagt er. Doch wenn die Eisdecke so massiv ist wie jetzt, kann Bockhop nicht verstehen, wieso sich von der Stadt niemand bewege. „Glauben Sie, es ist schön, etwas Verbotenes zu tun? Ich komme mir vor wie ein Verbrecher“, klagt der Rentner. Die Polizei habe ihn schon öfter vom Eis jagen wollen.

Polizei kommt mit Sirene

Zuletzt kam das Einsatzfahrzeug sogar mit eingeschalteter Sirene und Blaulicht. „Mit Sirene“, wiederholt Bockhop und schüttelt den Kopf. Aufs Eis würden ihm die Beamten aber nicht folgen. „Wenn sie kommen, fahre ich einfach in die Mitte oder verstecke mich irgendwo hinter einem Baum“, sagt der Schlittschuh-Fan. Dass Bremerhaven eine Sonderrolle einnehmen muss, findet er traurig. „In anderen Städten geht das doch auch. Da stehen sogar Glühweinstände am Eis. Warum ist das nur wieder hier so schwierig?“

Vertreiben lassen wird sich Bockhop nicht. Und einen großen Wunsch hat er auch. „Ich würde gerne Herrn Pletz zu uns hier an den Teich einladen, damit wir gemeinsam die Eisdicke messen können.“ Nur einen anständigen Bohrer müsste Pletz mitbringen. Bockhops Bohrer kommt durch die 24 Zentimeter dicke Eisdecke nämlich schon gar nicht mehr richtig durch.

Feuerwehr jetzt aktiv?

Nach unbestätigten Angaben soll die Feuerwehr gestern am Nachmittag die Eisdicke an allen Bremerhavener Seen und Teichen gemessen haben. Die Ergebnisse der Messungen sollen ergeben haben, dass alle Eisflächen die Mindestanforderungen für eine Schlittschuhfahrt deutlich überschritten haben. Eine Stellungnahme dazu war nicht mehr zu bekommen.

Betreten Verboten, auch die Oberfläche des Bootsteichs in Speckenbüttel. Aber kaum ein Eis-Fan lässt sich noch von den Schildern bild vergrößern
Jürgen Bockhop misst selbst nach.
Artikel vom 10.02.12 - 12:00 Uhr
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