Stromiedel bevorzugt statt Krimi jedoch die Bezeichnung „Politthriller“,und die steht als Untertitel auch auf seinem zweiten Werk „Feuertaufe“. Daraus las der mit Familie in Bonn lebende Autor auf Einladung des Friedrich-Bödeker-Kreises im gut besuchten Sitzungssaal des Bremerhavener Amtsgerichts.
Diese Lesung fiel aus dem Rahmen: Selten berichtet jemand so ausführlich, so offen über die gedanklichen Vorleistungen und handwerklichen Notwendigkeiten beim Zustandekommen einer Geschichte. Stromiedels positive und negative Erfahrungen als Drehbuchverfasser, seine Leseleidenschaft, seine Beobachtungsgabe und damit seine Bereitschaft zu genauer Recherche schlagen sich in den Romanen nieder. Hier hat er die absolute, wenn auch schwierig einzugrenzende Freiheit als Autor, die ihm feste, vor allem finanziell begründete Filmvorgaben nie einräumen könnten. So habe er nur ein einziges Mal eine Szene bei Regen in einem Film unterbringen können.
Für seine bisherigen Romane „Zwillingsspiel“ und „Feuertaufe“ hat Stromiedel eine Hauptfigur geschaffen, die untypisch für das Genre ist: Der Berliner Kriminalhauptkommissar Paul Selig ist ein schüchterner und – weil zu leichtem Stottern neigend – etwas schweigsamer Mann. Laut Stromiedel „ein Gegenentwurf zu Derrick“, denn sein Kommissar ist ein zögerlicher, ein wenig ängstlicher Fahnder. In „Feuertaufe“ muss er nach einem Brandanschlag auf ein Haus im Bezirk Kreuzberg ermitteln und gerät in die Überwachungsmaschinerie des Innenministeriums. Selig wird durch Intrigen und das Verhalten seines Sohnes selbst zum Gejagten.
Markus Stromiedel las einige ausgewählte Passagen aus diesem Roman, die die Verständlichkeit seiner Sprache, die innere Verfassung der handelnden Personen und Berliner Flair demonstrierten. Genügend Spannung war damit aufgebaut, und der weitgehend abgeräumte Büchertisch verdeutlichte, dass etliche Besucher den ganzen Roman kennenlernen wollten.
Markus Stromiedel: Feuertaufe, Knaur-Taschenbuch-Verlag, 494 Seiten, 8,95 Euro

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