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Der leise Abschied der Telefonzelle


Geestemünde. Schweißnass klebt das 20-Cent-Stück in der Hand und immer noch ist keine Telefonzelle in Sicht. Das Handy ist zu Hause oder der Akku ist leer. Aber dieses eine dringende Telefonat muss man jetzt sofort führen. Doch nur wo? Von julia böhme


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Die letzten gelben Telefonzellen werden bundesweit abgebaut, auch in Geestemünde. Ob Ersatz kommt, weiß niemand so recht. Foto dpa

Erst in solchen Momenten fällt auf, wie wenige Fernsprecher es noch gibt. Ende August wurden in Geestemünde Bautrupps beim Abbau von Fernsprechern beobachtet. Die Deutsche Telekom baut nach eigenen Aussagen nur im Einvernehmen mit den Kommunen Telefonzellen ab. Die Stellen der Seestadt wissen von nichts. Laut Kerstin Imrie, Baureferat, hat die Stadt weder an der Bismarck-/Hartwigstraße, noch an der Friedrich-Ebert-/Alfred-Balzer-Straße Baumaßnahmen laufen. Die Telekom konnte dazu keine Angaben machen.

Eigentlich braucht man Telefonzellen heute selten. Und wenn, dann haben einige Bürger sie vorher als öffentliche Toilette oder zum Abreagieren ihrer Wut benutzt. Das ist natürlich auch der Deutschen Telekom aufgefallen, als Betreiber von bundesweit etwa 70 000 Telefonzellen, davon 118 in Bremerhaven, wertet sie regelmäßig die Standorte aus. Wenn Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis mehr stehen, wird nach einer Lösung gesucht. Katja Werz, Pressesprecherin der Deutschen Telekom, erklärt: „Es gibt einige Telefonzellen, die deutlich unter 100 Euro Umsatz im Monat machen – manche kommen nur auf etwa 20 Euro. Dann müssen wir zusammen mit den zuständigen Kommunen eine Entscheidung fällen. Entweder ersetzen wir die alten Münzfernsprecher durch moderne Stelen – eben Basistelefone ohne Wetterschutz und Beleuchtung –, oder wir verringern die Anzahl der Fernsprecher an Orten mit mehreren.“ Eine normale Telefonzelle soll etwa 7500, ein Basistelefon nur 500 Euro kosten. Die Telekom wollte diese Zahlen nicht bestätigen.

Multimedia-Stationen

Die modernen Basistelefone ragen als silberne Stelen in Fußgängerzonen in die Höhe. Mit etwas Glück ist es mit Münzeinwurf, wenn man Pech hat, funktioniert das Gerät nur mit Karte. Zusätzlich werden sogenannte Multimedia-Stationen eingesetzt: mit Internetzugang, Zugang zu Touristeninformationen und ausgestattet mit Bildschirmen für Hörgeschädigte. Grund: die reine Sprachtelefonie nimmt stetig ab. In Mitte gibt es schon drei solcher multifunktionellen Geräte.

Wie die Zukunft der Telefonzellen aussieht, wollte die Telekom nicht im Detail sagen. Katja Werz: „Die verbleibenden statten wir aber zunehmend mit neuen Funktionen aus, um den geänderten Nutzungsbedürfnissen der Kunden zu entsprechen.“ Fest steht, dass es definitiv weniger werden in der nächsten Zeit.

Artikel vom 01.09.10 - 16:00 Uhr
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