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Das Wetter fest im Blick

Norbert Johanning hält den Messbecher in Augenhöhe. „Nichts drin“, stellt der Förster aus Hagen-Börsten fest. Seit 40 Jahren dokumentiert er jeden Morgen die Niederschläge. Sein Rekordwert: 92 Millimeter. „Das war 1987, nach der großen Dürre.“ 60 Kilometer weiter nördlich, in Oxstedt, misst Sascha Horstkotte hingegen so ziemlich alles, was Petrus zu bieten hat. Die beiden sind Hobby-Meteorologen. Milena Tauber Von Milena Tauber

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Sascha Horstkotte vor seiner Wetterstation in Cuxhaven-Oxstedt: Auf seine Daten greifen Interessierte aus ganz Deutschland zu.

Die Konstruktion ist einfach: Durch einen Trichter tropft der Regen in den Messbecher. Läuft der über, wird das Wasser im größeren Behälter, in dem er sitzt, aufgefangen. Ein Millimeter im Messbecher entspricht einem Liter Regen pro Quadratmeter.

Sein Interesse am Wetter ist beruflich bedingt: „Als Förster bin ich vom Wetter abhängig“, erklärt Norbert Johannig. Bäume kann er nur pflanzen, wenn die Erde feucht genug, aber nicht zu feucht ist. Nach langanhaltenden Niederschlägen versinken die Maschinen im weichen Boden. Für solche Arbeiten eignen sich zum Beispiel Frostperioden mit gefrorenem Untergrund besser.

Johanning wuchs in Hardegsen bei Göttingen auf. Er verbrachte viel Zeit mit seinen drei Onkeln, die alle als Förster arbeiteten – so war auch sein Berufswunsch schnell gefasst. Nach der Ausbildung an der Forsthochschule bekam er eine Stelle in Köhlen und zog mit seiner Frau ins Cuxland. Kurz darauf wurde er Förster in Harrendorf, wo er bis zur Rente blieb.

Seit 2007 wohnt er mit seiner Frau Sigrid in Hagen. Er ist selbstständig und arbeitet als Förster für private Waldbesitzer. Und er zeichnet auf, wie viel es regnet in Hagen. Vor 40 Jahren kaufte er sich den „Niederschlagsmesser nach Professor Helmers“, der jetzt draußen zwischen überfrorenen Gemüsepflanzen steht.

Johanning betont, dass seine Werte nur für Hagen gelten. „Wenn es hier regnet, kann es ein paar Kilometer weiter ganz anders aussehen“, sagt er. Am 16. Dezember 2011 beispielsweise maß er in Hagen 40 Millimeter Niederschlagsmenge, in Bremerhaven waren es nur 5 Millimeter.

Von Vorhersagen hält er nicht viel: „Die meisten Prognosen sind falsch.“ Aber schön wäre es schon, wenn man die Kapriolen des Wetters vorhersagen könnte: „Wenn ich wüsste, dass es zwei Tage trocken bleibt, könnte ich mit den Maschinen in den Wald, ohne Angst zu haben, dass sie einsinken“, sagt er schmunzelnd.

Das Segeln weckte die Lust

In Oxstedt sitzt Sascha Horstkotte vor seinem Computer und beobachtet, wie nach und nach schmale Streifen auf dem Monitor erscheinen, die schließlich ein Bild ergeben: Norddeutschland, relativ frei von Wolken, aus dem All aufgenommen. „Gerade kommt Noaa 19 über uns vorbei. Das ist momentan der beste Satellit“, sagt er. Kurz darauf wird eine Karte erstellt, die farblich die Temperaturen darstellt. Das Cuxland ist grau und die Niederschlagswahrscheinlichkeit somit niedrig. „Hat ja auch genug geregnet im Dezember und Januar“, sagt er.

Horstkotte ist Wetterbeobachter. Er betreibt in seinem Garten in Oxstedt eine „semi-professionelle Wetterstation“. Diese misst Niederschlagsmenge und -stärke, Sonnenstunden, Boden- und Lufttemperatur. Die Daten sind auf der Internetseite des 50-Jährigen für jedermann frei zugänglich. Außerdem empfängt er Positionsdaten von Schiffen und Flugzeugen und sieht Blitze im Umkreis von 5000 Kilometern.

Außer der Gemeinde Nordholz greifen viele Privatpersonen auf seine Daten zurück – nicht nur Menschen aus der Region. Heute hat unter anderem ein Internet-Nutzer in Los Angeles seine Seite „www.wattwetter.de“ aufgerufen. „Vielleicht ein Urlauber aus der Region, der wissen möchte, wie das Wetter zu Hause ist“, vermutet Horstkottes Frau Ingrid. Sie kennt das. Ihr Mann behält auch im Urlaub das Wetter in Oxstedt im Blick: „Einmal musste ich von den Seychellen aus das Computersystem neu starten“, erzählt der Wettermann lachend.

Beim Segeln erwachte Horstkottes Interesse für das Wetter. Der gebürtige Rheinländer lebte in Spieka-Neufeld direkt hinter dem Deich, bis er vor fünf Jahren nach Oxstedt zog. Der rasch wechselnde Wind oder plötzlich einsetzender Seenebel faszinierten ihn: „Gut ist, wenn man beim Segeln schon drei Stunden vorher weiß, wie der Wind sich entwickelt.“ Mit Vorhersagen hält er sich zurück. „Ich bin kein Schamane“, sagt er. „Ich beobachte.“

Wetterdaten

Sie beobachten den Wind, fangen Regen auf, messen die Schneehöhe? Dann mailen Sie uns bitte:

landkreis@nordsee-zeitung.de


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Sascha Horstkotte vor seiner Wetterstation in Cuxhaven-Oxstedt: Auf seine Daten greifen Interessierte aus ganz Deutschland zu.
Artikel vom 11.02.12 - 12:00 Uhr
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