Das Handy als Höflichkeitskiller

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Mitte. Geschenke sollte man gleich auspacken und dem Chef bloß nicht das Du anbieten. Das rät Rainer Wälde, Leiter der Typ-Akademie in Limburg.

Mitte. Geschenke sollte man gleich auspacken und dem Chef bloß nicht das Du anbieten. Das rät Rainer Wälde, Leiter der Typ-Akademie in Limburg.

Heute Abend gibt der 52-jährige Benimm-Experte auf Einladung der Wirtschaftsjunioren Bremerhaven und der Bremer Existenz-Gründungs-Initiative ein „Knigge-Update“ im Time port II. Zuvor sprach er mit Christopher Beschnitt über Freundschaftseinladungen bei Facebook, Höflichkeitsvorbilder und seine Kleidung bei der Abitur-Feier.

Moin, Herr Wälde! Oder wäre „Guten Tag“ höflicher?

Nein, das „Moin“ geht schon in Ordnung. Dasselbe gilt zum Beispiel für das süddeutsche Pendant, das „Servus“. Gegen regionale Begrüßungen ist aus Knigge-Sicht gar nichts zu sagen – solange Sie dabei die übrigen Benimm-Regeln einhalten. So ist es zum Beispiel wichtig, den Menschen bei einer Begrüßung in die Augen zu schauen.

Der Augenkontakt scheint aber bedroht zu sein. Wer sich etwa in einem Café umschaut, sieht immer wieder Leute, die statt ins Gesicht ihrer Verabredung lieber auf ihr Handy blicken.

Stimmt – und das geht gar nicht. Wer sich seinem Gegenüber derart unkommunikativ zeigt, befindet sich mit seinem Verhalten nicht mehr im grünen Bereich. Den Umgang mit Smartphones und sozialen Netzwerken betreffen übrigens die jüngsten Entwicklungen in Sachen Knigge.

Welche Tipps geben Sie denn diesbezüglich?

Angenommen, Sie sind bei Facebook und bekommen eine Freundschaftseinladung von Ihrem Chef. Die dürfen Sie ruhig ablehnen – aber nicht, indem Sie sie bloß wegdrücken. Sagen Sie Ihrem Vorgesetzten stattdessen einfach, dass Sie diese Plattform nur für private Zwecke nutzen möchten.

Das Internet bringt also neue Knigge-Regeln mit sich. Haben sich ansonsten auch alte Konventionen gewandelt?

Ja, vor allem bei der klassischen Etikette. Hier wird nicht mehr nach Geschlecht, sondern nach Rang unterschieden. So darf heute auch die Chefin ihrem Kunden aus dem Mantel helfen. Die frühere Regel, dass Hosenträger gegenüber Rockträgerinnen zuvorkommender zu sein hatten, gilt also heute nicht mehr. Das liegt daran, dass im Business-Alltag einerseits auch Frauen längst große berufliche Verantwortung übernehmen und andererseits auch Männer manchmal Kaffee kochen.

Apropos Business: Sie sprechen heute Abend vor Menschen, die zu einem Großteil in der Wirtschaft arbeiten. Müssen die bei Ihnen besonders gut zuhören, um Erfolg in ihrem Job zu haben?

Natürlich ist es gerade im Kontakt mit Kunden, bei einem Sektempfang oder beim Geschäftsessen wichtig, den richtigen Ton zu treffen. Mit Höflichkeit zu glänzen. Eben einen guten Eindruck zu machen. Wer die entsprechenden Regeln kennt und beherrscht, kommt eher zu seinem Ziel, da bin ich sicher. Aber natürlich sollte generell jeder Mensch aus jeder Branche sich zu benehmen wissen.

Trotzdem lauern immer und überall Fettnäpfchen. In welche kann ich tappen?

Jemanden zu begrüßen, das ist ja erst mal freundlich. Begrüßen Sie aber auf der Arbeit immer zuerst den Kunden, erst dann den Assistenten. Und duzen Sie neue Kollegen nicht ungefragt. Ihrem Boss dürfen Sie das Du übrigens noch nicht mal anbieten – das ist Chefsache. Noch ein Beispiel: Wenn Sie ein Geschenk bekommen, dann packen Sie es kurz darauf aus, und zwar im Beisein desjenigen, der Ihnen das Präsent gegeben hat. Ansonsten signalisieren Sie Ignoranz.

Wenn ich solche Regeln nicht kenne, wie kann ich dann kniggekonformes Verhalten lernen?

Zum einen gibt es dazu Unmengen an Ratgebern. Im Internet finden Sie zum Beispiel die Seite www.knigge-rat.de mit zahlreichen Tipps für eine ordentliche Etikette. Zum anderen können Sie sich Vorbilder suchen. Schauen Sie sich in Ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis um. Gerade ältere Menschen haben häufig eine Erziehung genossen, bei der viel Wert auf Manieren gelegt wurde. Gerade Senioren erscheinen deswegen oft besonders höflich. Davon kann man sich gegebenenfalls dann einfach eine Scheibe abscheiden.

Tun das denn viele, hat der Knigge also Zukunft?

Auf jeden Fall! Meiner Wahrnehmung nach ist jungen Menschen ihr Benehmen, ihre Höflichkeit und ihr äußeres Erscheinen heutzutage deutlich wichtiger als noch vor einigen Jahren. Wenn ich mir beispielsweise aktuelle Fotos von Abitur-Feiern angucke, dann sehe ich gestriegelte Männer und Frauen. Ich hingegen nahm mein Abi-Zeugnis damals in ordinären Jeans entgegen…

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