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CDU: Das ist Postengeschacher


Bremerhaven. Rund 7000 Euro Gehalt pro Monat, sicherer Job in der Verwaltung: Magistratsdirektor ist ein sehr attraktiver Posten, auch für auswärtige Bewerber. Ein aussichtsreicher Kandidat aus Niedersachsen verzichtete dann aber doch lieber auf das Vorstellungsgespräch. Offenbar hatte er mitbekommen, dass es einen Wunschkandidaten gibt und er womöglich nur als Feigenblatt dienen sollte. Von Klaus Mündelein


So musste sich jetzt der Magistrat nur noch mit einem Bewerber unterhalten: Claus Polansky aus der Magistratskanzlei, der als Wunschkandidat von Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) gilt. Für das Bewerbungsgespräch war ohnehin ein Thema ausgesucht worden, zu dem ein auswärtiger Bewerber nicht viel sagen kann. Polansky hat nun den Job – mit den Stimmen der Grünen, die mit der ganzen Veranstaltung eigentlich ihre Probleme hatten, jetzt aber koalitionsbrav die Hand hoben.

„Alle Posten verteilt“

CDU-Fraktionschef Paul Bödeker ist sauer: Seiner Meinung nach betreiben die Grünen nun noch übler ein Postengeschacher, das sie früher bei der SPD/CDU-Koalition aufs Schärfste kritisiert hatten. „Wir hatten ja nur Vorschlagsrechte abgesprochen. Aber Rot-Grün hat offenbar bis in den Verwaltungsbereich koalitionär alle Posten verteilt“, sagt Bödeker und beklagt einen rasanten Prinzipienverfall bei den Grünen.

Dass den Grünen bei der Sache ein wenig mulmig ist, offenbarte sich schon bei der Ausschreibung der Stelle. Erst durch ihr Einschreiten wurden die Anforderungen so formuliert, dass sich auch ein auswärtiger Interessent bewerben kann. Und als das auf den Wunschkandidaten zugeschnittene Thema für das Bewerbungsgespräch im Magistrat bekannt wurde, soll es erst recht bei den Magistratsmitgliedern der Grünen lange Gesichter gegeben haben.

Ursprünglich elf Bewerber

Ursprünglich gab es elf Bewerber um den Posten. Darunter befand sich auch die Leiterin des Rechnungsprüfungsamts, Beate Gissel-Baden, mit der der Oberbürgermeister zurzeit heftige Auseinandersetzungen führt. Dass sie keine Wunschkandidatin werden konnte, war klar. Aber sie wurde noch nicht einmal zum Bewerbungsgespräch geladen, weil sie angeblich keine Erfahrung mit Entscheidungsgremien des Landes habe. Die CDU versuchte, dagegenzuhalten. Immerhin hatte Gissel-Baden viele Jahre im Landespersonalausschuss mitgearbeitet mit Stimmrecht für die Seestadt. Und sie hatte in einer Arbeitsgruppe des Landes mitgewirkt, in der es ums Beamtenrecht ging. Durchsetzen konnte sich die CDU aber nicht.

Dem Vernehmen nach sollen Personalvertretung und Frauenbeauftragte gegen diese Vorauswahl Widerspruch eingelegt haben. Ob das tatsächlich so ist, blieb trotz Nachfrage bei den Stellen im Dunklen.

Artikel vom 27.01.12 - 16:00 Uhr
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