Was im „Enterprise“ unter der Decke hing, war auch im bundesweiten Vergleich vom Allerfeinsten. Disco-Chef Hermann Giesche hatte neben seiner Karriere als Discobetreiber nämlich auch noch eine Firma für Lichttechnik, die im gesamten norddeutschen Raum bei der Ausstattung neuer Tanztempel gefragt war. Die allerneuesten Effekte, Laser und Steuergeräte wurden dann immer zuerst im „Enterprise“ getestet. Ein Farb- und Neongewitter, das die Besucher auch ohne später in Mode gekommene Pep-Pillen wie Extasy in einen Rausch versetzen konnte. Wer da noch nachhelfen wollte, tat das mit einer korrekten Mischung Korn/Cola.
Zuvor war es an gleicher Stelle im „Mayflower“ und im „Christopher of Bremen“ eher betulich zugegangen. Giesche ließ all den Hanseatenplunder hinauswerfen und machte daraus eine High-Tech-Disco. „Die bewegliche Lichtanlage wurde im Beat der Musik mit Videoanimationen, Pyrotechnik und Lasern perfekt in Szene gesetzt“, erinnert sich Britta Dimic, die zehn Jahre lang die Geschäftsführung erledigte. „Das Zusammenspiel von Lightshow und Musik konnte man seinerzeit sonst nur bei großen Rockkonzerten erleben.“
1993 wurde das „Enterprise“ zu einem Konzertsaal umgewandelt. Doch trotz prominenter Bands wie Trio und The Brandos blieb der Publikumszuspruch hinter den Erwartungen zurück. Kurz entschlossen brachte Giesche ein Jahr später das „Enterprise II“ an den Start. Als die Eigentümer des Gebäudekomplexes noch einmal kräftig an der Mietschraube drehen wollten, packte Giesche, der gemeinsam mit Paul Steffens inzwischen auch das „Get Up“ am Rotensand betrieb, in der Grazer Straße zusammen. Am 3. April 1995 gingen im „Enterprise“ endgültig die Lichter aus.
In der Erinnerung vieler Szenegänger blieb es lebendig. Von der NZ-Disco-Serie befeuert hat sich zum Beispiel im Internetforum www.seestadtschnack.de ein reger Gedankenaustausch über die „guten alten Zeiten“ entwickelt. Die User, die dort unterwegs sind, haben sich vor allem in Großdiscos wie „Enterprise“, „Bahamas“ und „Kraftwerk“ die Hörner abgestoßen. Heiko Gosewisch zum Beispiel, der sich als chaotischer aber hingebungsvoller Tänzer einen Namen gemacht hat, stellt einen Original-Enterprise-Mix („Hey DJ, where are you“) sogar als Download zur Verfügung: „‘ne Flasche Strothmann und der Mix beamen mich immer in die alten Zeiten zurück“, verrät er, und den anderen geht es nicht anders.
Beim ersten Mal auf Piste war bei ihm das „Bahamas“ in der ehemaligen Butter-Absatzzentrale in Wulsdorf das Ziel. Dort hat er mehrere Jahre den Wettbewerb im Bierfass-Stemmen gewonnen, „Armdrücken Over the Top gegen so einen Spacko leider verloren“.
Sein Fazit: „Es war alles nur geil vom Anfang bis zum Ende.“ Doch allzu tief will er dann doch nicht in der Erinnerung kramen: „Sonst fange ich noch an zu weinen, weil alles vorbei ist. Oder doch nicht. Gestern stand ich noch vor der Tür in der Grazer Straße: Definitiv nicht zugemauert.“
Nächsten Donnerstag: „Atlantic-Bar“, „Oase“ und „Christania“ – Szenebummel in den 70er Jahren.
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