
„Viele unserer Mitarbeiter wohnen noch weit weg“, sagte Dirk Kassen, Geschäftsführer der Weserwind GmbH Offshore Construction, während er mit zahlreichen Betriebsangehörigen und deren Familien in der Weserwindhalle um die gewaltigen Tripoden herumspazierte. Um ihnen Geschmack am Leben in Seestadt zu machen, informierte die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung- und Stadtentwicklung (BIS) über die Stadt als Lebensstandort. Tatsächlich verharrten Weserwind-Mitarbeiter noch in Rostock, Wismar oder auch in Ostfriesland. Die Gründe dafür kennt Kassen: „Oft haben sie dort ihr gewohntes soziales Umfeld.“ Das werde nicht so schnell aufgegeben und wenn, dann müsse es eine langfristige Perspektive am neuen Standort geben. Viele der 1000 Mitarbeiter befinden sich derzeit noch in Zeitarbeit. Dirk Kassen ging mit gutem Beispiel voran, ist selbst vor einem Jahr von Georgsmarienhütte ins Bremerhavener Umland gezogen. Um ein Zeichen zu setzen. „Und um zu zeigen, das wir keine Eintagsfliege sind“, sagte Kassen.
Maximilian Stierle hat es bereits in die Region gezogen. Er hat mit seiner Familie die Zelte in Berlin abgebrochen und in Bremen-Nord ein Haus bezogen. „Ich wäre gerne nach Bremerhaven oder in das Umland gezogen“, sagte Stierle. Jedoch habe die Familie keine passende Immobilie gefunden. „Schönes Wohnen ist uns wichtig“, betonte der Mitarbeiter der Rechtsabteilung, der nun zähneknirschend jeden Morgen 40 Minuten Fahrzeit zur Arbeit in Kauf nimmt. In Berlin lebten sie in einer großen Altbauwohnung. In Bremerhaven habe er ein dreiviertel Jahr in der Hafenstraße gewohnt, in einem möblierten Zimmer mit Bad. „Bremerhaven hat eine Menge schöne alter Häuser und somit Potenzial“, sagte er. Es müsse jedoch noch einiges getan werden. Nils Schnorrenberger von der BIS weiß um die Schwierigkeiten, die Bremerhaven in der Wohnungsfrage hat. „Da müssen die Wohnungwirtschaft und die Stadtplanung reagieren.“ Es bräuchte mehr attraktive Wohnungen in verschiedenen Preisklassen.
Diana Jäger war mit Töchterchen Pia aus Nürnberg zum Familientag gekommen, um zu gucken, wo ihr Mann Eder Garcia Pinto als Fertigungsplaner arbeitet. Sie zeigte sich beeindruckt von der Stadt, in der ihr Mann in einer Wohngemeinschaft wohnt. „Ich könnte mit vorstellen, hier zu leben“, sagte die 28-Jährige. Allerdings spielten weitere Faktoren bei der Wohnortwahl eine Rolle. Die Familie stammt ursprünglich aus Guatemala. „Dort habe ich Medizin studiert“, sagte Diana Jäger. Hier müsse sie noch weiterstudieren Es komme nun darauf an, wo sie einen Studienplatz bekomme. Und noch etwas sei ihnen wichtig: Ein Krippenplatz: „Wir haben in Nürnberg schon einen“, sagte Eder Garcia Pinto. Auch das sei ein sehr wichtiges Kriterium, das die Wohnortwahl beeinflusse. „Ganz ehrlich, wir überlegen noch“, sagte Pinto.

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