
Am 5. August soll der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven in Betrieb gehen. Ein Ereignis, das nicht überall Freude auslöst. Besonders in Bremerhaven gibt es die Sorge, dass der Konkurrent Container und Offshore-Fracht vor der Nase wegschnappen wird. Womöglich wird sich der Kampf um Container verzögern. Denn die Kaje des Tiefwasserhafens ist löchrig wie ein Schweizer Käse.
Hinter den Kulissen wird von einem vollkommen maroden Bauwerk gesprochen. Vor einer Wochen zählte man noch 38 Risse in der Spundwand, inzwischen sind es 47. Zum Vergleich: Beim Bau des Bremerhavener Terminals CT 4 gab es keinen Riss. Es gibt Spekulationen, die von 100 Löchern in der Wilhelmshavener Wand ausgehen. Die Risse seien ärgerlich, aber in der Anzahl nicht ungewöhnlich hoch, hieß es hingegen in Wilhelmshaven.
Schiffer will sich an den Spekulationen darüber, wie viele Risse es am Ende sein werden, nicht beteiligen. Er räumt aber ein, dass noch weitere entdeckt werden könnten. Denn die Liegewanne ist noch nicht durchgehend auf 20 Meter Tiefe ausgebaggert worden. Laut Realisierungsgesellschaft werden die Arbeiten erst Ende Februar abgeschlossen sein.
Bei den Baggerarbeiten offenbaren sich aber die Risse, die auch „Schlosssprengungen“ genannt werden. Wenn die Spundwände nicht gerade ins Erdreich gerammt werden, bricht die Verzahnung über Nut und Feder auf. Wie ein Reissverschluss öffnet sich die Spundwand. Die Folge: Der Sand hinter der Wand wird herausgespült.
Bislang hat die Realisierungsgesellschaft, an der das Land Bremen beteiligt ist, offenbar zugeschaut, wie die Baufirmen die marode Wand in den Sand setzen. Geschäftsführer Axel Kluth, mit 350 000 Euro Jahresgehalt ein Top-Verdiener, war am Mittwoch nicht erreichbar. Das Hafenressort in Bremen vertraut indes seinen Beteuerungen, dass der Eröffnungstermin erreicht wird.
Die wiederholte am Mittwoch Susanne Thomas, Sprecherin der Realisierungsgesellschaft. „Der Termin 5. August ist haltbar“, teilte sie mit. Die Sanierungskosten beziffert sie mit zehn Millionen Euro, die die Baufirmen zu tragen hätten. Die Ursache sei unklar, hieß es in Wilhelmshaven. Beim Bau des CT 4 wurde die Spundwand mit Hilfe von Hubinseln gerammt. Das gab sicheren Halt für eine gerade Führung des Stahls. In Wilhelmshaven verzichtete man darauf und rammte schwimmend. Schiffer glaubt aber nicht, dass das der einzige Grund für die Risse war. „Es kann auch am Baugrund liegen“, sagt er.
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