
Auch am vorigen Wochenende waren die Ordnungshüter um 2.45 Uhr wieder einmal zum Park ausgerückt, weil einige Anlieger kein Auge zu bekamen. „Dieser historische Ort hat sich seit drei, vier Jahren zur Partybude entwickelt“, ist Hans-Hermann Gundel aus der Timmermannallee erbost. „Freilichtmuseum und Partys abfeiern – das gehört nicht zusammen.“
Fast jeden Sonnabend bis morgens drei oder vier Uhr, beklagt seine Nachbarin Renate Buchwald aus der Timmermannallee, „wummert das durchs Reetdach und aus den offenen Scheunentoren, obwohl das hier ein Wohngebiet ist.“ Bis Mitternacht sei das noch tolerierbar, „danach gehört sich Zimmerlautstärke. So laute Partys haben doch nichts mit Kulturpflege zu tun.“ Denn Betreiber des Freilichtmuseums Marschenhaus – wie auch des Geesthofs an der Parkstraße – ist der Bauernhausverein Lehe, der sich dem Erhalt der Heimatpflege verschrieben hat. Beide historischen Häuser sind an Verwalter verpachtet, die zwar mietfrei darin wohnen, ihren Lebensunterhalt aber aus dem Gastronomiebetrieb bestreiten. Die Mieteinnahmen für jede Feier fließen dem Bauernhausverein zu.
„Die Verwalter müssen sich an die gesetzliche Obergrenze für Lautstärke halten, sonst werden sie haftbar gemacht“, stellt Vereins-Chef Peter Hebel klar. Die Obergrenze liegt laut Immissionsschutzgesetz nachts bei 35 Dezibel in Wohngebieten – das entspricht Geflüster. Doch danach, betont Britta Fink, Verwalterin des Marschenhauses, „hat in meinen 13 Jahren hier keiner gefragt, die Lautstärke wurde geduldet. 35 Dezibel ist Bücherei-Lautstärke, da braucht der DJ seine Anlage gar nicht erst auszupacken.“ Früher sei es auch nicht leiser gewesen, „ich erinnere die DJs immer, ab 22 Uhr runter zu drehen. Aber das klappt nicht immer.“ Etwa zehn Hochzeiten pro Jahr organisiere sie im Marschenhaus, dazu „rund 25 Geburtstage und Jubiläen“, tagsüber Feiern zu Taufen und Konfirmationen. „Wegen des Ärgers habe ich jetzt sieben Hochzeiten abgesagt.“
Grund: Betroffene Anwohner hatten die Behörde eingeschaltet. „Das Bauordnungsamt hat uns aufgefordert“, so Hebel, „die Vorschrift einzuhalten. Daraufhin habe ich die Verwalter angeschrieben.“ Der Bauernhausverein habe „kein Interesse an Feiern auf Kosten der Nachbarn.“
Im Stich gelassen fühle sie sich, sagt Britta Fink, „nach all den Jahren guter Zusammenarbeit jetzt solche Haftungsdrohungen.“ Doch sie habe schon voriges Jahr „aus familiären Gründen“ gekündigt. Die einst für 18. August angesetzte „After-Summer-Party“ hätte ihr Abschiedsfest werden sollen. „Die Party fällt aus, das alles hat sich wohl herumgesprochen, wir hatten keinen Verkauf.“
Mit Antritt ihrer Nachfolgerin ab 15. August, sagt Peter Hebel, „hoffen wir, in ruhigere Fahrwasser zu kommen.“ Ihr Konzept mit Kaffee-Betrieb stelle die Dedesdorfer Gastronomin Marina Schöll Ende August bei einem Anwohnertreffen mit dem Verein vor. Aber, betont Hebel: „Wenn die Einnahmequellen des Vereins eines Tages nicht mehr ausreichen sollten, unsere Häuser baulich zu unterhalten, geht das Freilichtmuseum 2016 an die Stadt über.“ Denn dann endet der 30-jährige Erbpachtvertrag.

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