Die Fahrscheine, bitte – zwei Kontrolleure betreten am Hauptbahnhof die Bremerhavener Buslinie 507 Richtung Spaden. In ihren dunkelblauen Uniformen und mit den Kontrollgeräten in der Hand sind Andreas Meier* und Carsten Lück* leicht zu erkennen. Schon kramen die ersten Fahrgäste nach ihren Tickets. „Die beliebtesten Mitfahrer sind wir sicher nicht, aber die Bremerhavener sind fast immer sehr freundlich“, sagt Andreas Meier, der seit einem halben Jahr dabei ist.
Zwei Haltestellen warten die beiden: „Damit auch alle Zeit zum Entwerten ihrer Tickets haben.“ Dann ziehen sie los: Einer beginnt vorne beim Fahrer mit der Kontrolle, der andere ganz hinten. „Dabei halten wir aber immer Augenkontakt und treffen uns in der Mitte, das gibt uns Sicherheit“, sagt Meier, der seit sechs Monaten dabei ist.
Die erste Kontrolle des Tages verläuft problemlos. Der Bus nach Spaden ist nur spärlich besetzt, alle Fahrgäste besitzen ein gültiges Ticket und zeigen dieses bereitwillig vor. „Interessant wird es, wenn wir die Stadtgrenze überqueren“, sagt der Kontrolleur.
„Nächster Halt: Striegauer Straße. Bitte beachten Sie, dass der Bus danach die Tarifzone 250 verlässt und in die Zone 260 einfährt. Bitte überprüfen Sie die Gültigkeit ihres Tickets für diese Zone“, schallt es kurz darauf aus den Lautsprechern. Meier und Lück starten zu einer zweiten Kontrolle, obwohl die Fahrgäste fast noch die Gleichen sind: „Ordnung muss schließlich sein.“
Einen Ausweis habe sie nicht dabei, erklärt die. Meier zückt den Block für die Selbstauskunft: „Name, Geburtsdatum und Adresse brauche ich.“ Die Frau beginnt zu schreiben, bricht immer wieder ab und versucht der Strafe durch Entschuldigungen doch noch zu entgehen. „Schreiben Sie, bitte. Sonst muss ich die Polizei holen.“ Die Drohung hat gesessen. „Die Daten melde ich dann telefonisch ans Einwohnermeldeamt, um sie zu überprüfen“, erklärt Meier und greift zum Hörer. Die Daten stimmen, wenn auch die Handschrift der Frau nur schwer zu entziffern ist und Meier den Namen dreimal neu buchstabieren muss.
Jeden Tag erwischen die Kontrolleure bis zu acht Schwarzfahrer. „Die meisten sind einsichtig. Einige kommen sogar schon mit ihrem Ausweis auf uns zu, wenn sie kein Ticket haben“, so Meier. „Handgreiflichkeiten und wilde Verfolgungsjagden sind eher Stoff fürs Fernsehen als für Bremerhaven“, fügt sein Kollege hinzu und lacht.
Die Kontrolleure wechseln die Linie. Dabei haben sie freie Hand und folgen keiner festen Route. „Wir wollen es den Fahrgästen ja nicht zu einfach machen.“ Mit der 502 geht es weiter in Richtung Grünhöfe. Und wieder ist es das gleiche Spiel: „Die Fahrscheine, bitte.“ Ein kurzer Blick auf die Karte oder ins Lesegerät für die Chipkarten genügt: Alles in Ordnung. „Vielen Dank.“
„Natürlich hätte ich hart bleiben können. Aber das sind Touristen, die unsere Regeln nicht kennen. Sie sollen zu Hause von ihrer schönen Reise nach Bremerhaven erzählen und nicht von einem Knöllchen fürs Schwarzfahren.“ Was Bremerhaven Bus dadurch an Geld verliere, gewinne das Unternehmen und die Stadt an Ansehen dazu. Trotzdem bleibe das die Ausnahme. „Schließlich schadet jeder Schwarzfahrer den ehrlichen Fahrgästen und treibt die Preise hoch.“
Um das zu vermeiden, werden Andreas Meier und Carsten Lück sich weiter auf die Suche nach Schwarzfahrern machen und beim Einsteigen die Fahrgäste freundlich, aber bestimmt auffordern: „Die Fahrscheine, bitte.“
Seit 2004 ist der Einstieg nur noch vorne beim Fahrer möglich, der die Fahrscheine kontrolliert. Seitdem ist der Anteil der „Schwarzfahrer“ von 1,5 auf 0,5 Prozent pro Jahr gesunken.
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