
Im Gefolge der Politiker wird gerechnet: 1000 Arbeitsplätze sind es noch nicht ganz – aber die Entwicklung geht in diese Richtung. Mehr als 200 Leute arbeiten allein beim Rotorblatthersteller Powerblades im Süden des Fischereihafens. Wo sich vor einem Jahr noch eine Sandwüste ausbreitete, steht inzwischen eine Riesenhalle – fast einen halben Kilometer lang, in der Windmühlenflügel aus Kunststoff geformt werden. Feiner Staub liegt in der Luft. Zurzeit werden hier 40 und 50 Meter lange Blätter hergestellt, bald auch die Riesenrotoren für Offshore-Windräder – jeder Flügel mehr als 60 Meter lang. „In anderthalb Jahren haben wir hier unsere Kapazitätsgrenze erreicht“, prognostiziert Powerblades-Chef Lars Weigel. Dann muss schon angebaut werden an das nagelneue Werk.
In die Aufbruchstimmung der Branche mischen sich jedoch Sorgen: Die Finanzierung der geplanten Windparks in Nord- und Ostsee, die in den kommenden zehn Jahren mit 2000 Windrädern aufgeforstet werden sollen, ist wegen der weltweiten Bankenkrise ins Wanken geraten. Weil die Geldinstitute mit Krediten geizen, will nun der Bund einspringen: „Die Bürgschaften, die wir im Rahmen des Konjunkturprogramms gewähren, gelten auch für Offshore-Windparks“, betont Minister Gabriel. Er hält an seinem Ziel fest: Bis 2020 sollen mindestens 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden – vor allem aus Windkraft.
Noch baut Weserwind seine Stahlfundamente unter freiem Himmel. Doch hinter den provisorischen Gerüsten wird bereits das Fundament für eine eigene Produktionshalle in den Boden gerammt. Noch in diesem Jahr soll die Serienfertigung unter Dach und Fach sein. 200 Mann arbeiten bereits für Weserwind – 300 sollen es werden.
Der OB und seine Wirtschaftsförderer nutzen die Gelegenheit, dem Minister hinter verschlossenen Türen ihre Idee eines Verladeterminals für Windräder an der Weser schmackhaft zu machen. Auch dafür erhoffen sie sich Hilfe vom Staat. Immerhin: Ein freundliches Nicken gab’s, berichten Teilnehmer anschließend.
Zuletzt lässt sich Gabriel den Wind um die Nase wehen: Im Testkanal der Deutschen Windguard wird an der Zukunft der Windenergie-Branche geforscht. „Bremerhaven steht an der Spitze der Entwicklung“, lobt der Minister vor den versammelten Fernsehkameras. „Es ist einer unserer besten Standorte.“
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