Kapstadt. Kleine Kinder können kleine Teufel sein.
Bei meiner zweiten Tanzstunde an einem anderen Tag war ich anfangs total überfordert, da viele der Kinder gemacht haben, was sie wollten. Wir unterrichten, wie oft schon erwähnt, in Klassenräumen, in denen, wieüblich, viele Schulbücher zum Lesen und eine Tafel mit Kreide zu finden sind. Drei der Kleinen waren daher viel mehr an den Gegenständen, als an meinen Unterricht interessiert. Ich wusste, dass es zuerst nicht leicht werden wird. Zumal auch mehr Kinder dabei waren, als beim letzten Mal. Ich habe sie dann des Öfteren aufgefordert das Lesen und das Schreiben an der Tafel zu unterlassen, was jedoch nicht half. Vielleicht lag es auch an der Sprache, worauf ich später noch zu sprechen komme, aber ich denke, dass sie in mir keine Respektperson sahen und dachten, bei mir können sie machen, was sie wollen. Das können sie aber leider nicht, daher habe ich die drei nacheinander rausgeschmissen, in der Hoffnung, dass sie daraus lernen würden. Ich konnte es kaum glauben, aber nach dem Rauswurf waren alle anderen Kinder mucksmäuschen still und haben in der Mitte des Raumes darauf gewartet, dass ich mit dem Tanzunterricht beginne. Die Mädchen und Jungen haben alle Übungen super mitgemacht und die Schulbücher und die Tafel schienen vergessen. Am Ende der Stunde hat mich ein kleiner Junge strahlend angeguckt und mir einen Daumen nach oben gezeigt, danach war ich glücklich und habe auch gestrahlt.
Nach einer halben Stunde mache ich meistens eine kleine Pause, damit die Kinder etwas trinken können, denn es ist oft sehr warm und vor mir hatten sie schon eine Stunde African Dance. Sie rennen dann alle auf den Schulhof zu einem Wasserhahn und streiten sie darum, wer als erstes trinken darf und bis dann alle getrunken haben dauert es eine Weile. Einen Wasserhahn habe ich übrigens bis jetzt auf jedem Schulhof in einem Township gesehen.
Ein Mädchen, das ich am Anfang rausgeschmissen habe, kam nach der kurzen Pause wieder in den Klassenraum und hat wieder nach einem Buch gegriffen und als ich gesagt habe es geht weiter hat sie sich in die Mitte gestellt und mich mit großen Augen angeguckt, aber ich habe sie wieder an die Hand genommen und „bye bye” gesagt. Im ersten Moment dachte ich, nur wenn ich konsequent bin, würde sie lernen, dass sie sich nicht gut benommen hat. Ich weiß nicht, ob das eine gute Entscheidung war. Danach tat mir die Kleine, obwohl sie ein kleiner Teufel ist, doch etwas leid.
Da die kleinen Kinder zum Teil noch sehr jung sind, sprechen und verstehen die Meisten entweder gar kein Englisch oder nur ein bisschen. Ein Junge hat mich an einem Tag die ganze Zeit mit seiner Sprache Xhosa zugetextet und ich habe davon kein einziges Wort verstanden. Ich habe ihm dann auf Englisch erzählt, dass ich kein Xhosa sprechen kann, dass hat er aber wiederum nicht verstanden, deshalb hat er immer weitererzählt bis ich dann die Schultern hochgezogen und den Kopf geschüttelt habe. Ich werde daher in Zukunft wohl noch einen Sprachkurs für Xhosa besuchen, der in der Nähe von Observatory angeboten wird, damit ich mich mit den Kleinen besser verständigen kann.
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