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Hochmut tut selten gut

Athlone. Nicht alle der gesponserten Kinder nehmen ihre Chance wahr und verbringen ihren Nachmittag lieber mit anderen Dingen.

Den nächsten Tag im Projekt habe ich ebenfalls viel mit Tanzen verbracht und wurde erneut in eine Choreographie eingebaut. Die Tänzer entwickeln zum Teil in ihrer freien Zeit selbst Choreographien. Um Diese zu unterstützen tanzen Mehrere mit, damit man sehen kann, ob die Schritte gut wirken oder nicht. Mittlerweile soll ich schon in vier Choreographien mittanzen, allerdings bin ich mir im Moment wirklich nicht sicher, ob ich das auch wirklich möchte. Denn es ist soviel, was ich mir merken muss und es bleiben nur noch drei Wochen. Außerdem habe ich mir gerade irgendwas in meinem Fuß zugezogen, was hoffentlich bald mit Hilfe einer Physiotherapeutin beseitigt werden kann. Andererseits jedoch möchte ich auf jeden Fall in diesen vier Choreographien mittanzen, weil echt viel Spaß macht und ich mag auch nur ungern sagen:„Tut mit Leid, in deiner Choreographie möchte ich jetzt doch nicht mehr mittanzen“.

Nachmittags bin ich dann mit Nigel, einem Tanzlehrer, in das Township Gugulethu gefahren. Dort kamen mir einige Gesichter sofort bekannt vor, denn viele unserer Lehrer lassen ihre Kinder ebenfalls bei Dance for All tanzen. Und Die sahen ihren Eltern oft sehr ähnlich. Der Unterricht fand erneut in einer Schule statt. Die kleinen Kinder im Alter von 6 bis 9 wurden in einem sehr kleinen Raum unterrichtet, aber da es nur ungefähr sieben Kinder waren, war das vollkommen in Ordnung. Mit der anderen Gruppe konnte später in der Aula der Schule getanzt werden, wo schon fleißig für die Show im November geübt wurde. Nigel war ziemlich streng, wie ich fand. Er sagte mir am Ende der Stunde, dass er das nicht böse meinen würde, er möchte nur, dass die Kleinen ihr Bestes bei der großen Show geben, damit sie bei der Show nicht denken müssen „Oh, die Kinder aus Athlone sind viel besser als wir“. In Athlone tanzen nämlich nur die, die nach Meinung der Lehrer das größte Talent haben, sich zu bewegen. Diese Kinder werden in der Haupttanzschule dann speziell gefördert. Sie werden jeden Tag von „Uncle Van“ oder „Uncle Dan“ abgeholt und später wieder zurück in die Townships gebracht, mit Sandwiches und Getränken verpflegt. Unterrichtet und duschen können sie dort auch, wenn sie möchten.

Die Kinder, die an diesem speziellen Tag nicht ausgewählt werden, fragen dann nach, warum ihre drei Freunde nun dahin dürfen und sie nicht. Was ich echt nicht schön finde und ich hoffe auch, dass ich bei einem solche  Auswahltag nicht dabei sein werde. Aber es können halt nicht über 1000 Kinder täglich in die Haupttanzschule gebracht und abgeholt, geschweige denn unterrichtet werden.

Was ich bis jetzt allerdings mitbekommen habe ist, dass die Kinder, die ausgesucht werden, einen gewissen Hochmut entwickeln, denn sie wissen jetzt, dass sie sich gut bewegen können und meinen dann zum Teil sich nicht mehr anstrengen zu müssen. Einige kommen sogar nur noch dann, wann sie wollen. Daher wurde jetzt auch vor kurzem ein Mädchen, die hier schon sehr lange tanzt, vom Tanzunterricht ausgeschlossen, da die Sponsorengelder nicht verschwendet werden können.

Ich habe von dieser Gruppe und der nächsten Gruppe, von der ich noch berichten werde, keine Fotos gemacht, weil ich es in diesen Situationen nicht angemessen fand. Es werden aber noch viele Bilder in den nächsten Monaten folgen.

Meine Artikel werden in Zukunft immer montags und donnerstags erscheinen.

Artikel vom 27.10.11 - 11:13 Uhr
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