Athlone. Nicht alle Entscheidungen fallen mir immer leicht...
Am vierten Tag hatte ich meinen ersten Muskelkater, und zwar so stark, dass ich mich kaum noch bewegen konnte. Daher habe ich mir am Morgen den Tanzunterricht nur angeschaut, worüber sich die Anderen anfangs köstlich amüsierten.
Nach der Tanzstunde habe ich mit einem anderen Tänzer eine Vereinbarung getroffen: Er bringt mir Klavier spielen bei und ich ihm in paar deutsche Wörter. Bis jetzt haben wir aber nur zweimal zusammen Klavier gespielt und kein einziges Wort Deutsch gesprochen, es klappt also nicht wirklich.
Nachmittags bin ich mit der Tanzlehrerin Lorraine in das Township Nyanga gefahren, um mir eine neue Tanzgruppe anzuschauen. Dieses Mal waren es nur Mädchen im Alter von zehn bis neunzehn, aber auch hier wurde schon fleißig für die Show im November geübt.
Das Besondere an dieser Tanzstunde war, dass Lorraine die Mädchen auf einer Trommel unterrichtet hat und ich habe mir zum ersten Mal African Dance anschauen dürfen. Normalerweise wird ein CD-Player aus der Tanzschule in Athlone mitgenommen und in den Klassenräumen an gestöpselt. Durch die Trommelmusik war es total laut im Bungalow der Schule, sodass ich mir dachte, lange kann sie das bestimmt nicht durchhalten. Doch auch nach eineinhalb Stunden zeigten sich keine Anzeichen der Erschöpfung. Sie hat nur Schmerzen in den Armen wenn sie müde ist, sagte sie mir. Außerdem erklärte sie mir, dass sie laut spielen muss, damit die Mädchen mehr Energie haben, was auch Sinn macht. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte mitgetanzt, aber mein Körper tat einfach zu sehr weh.
Was ich bis jetzt überall beobachten konnte ist, dass ganz viele Kinder in der Tür stehen oder durch die Fenster gucken, um beim Tanzunterricht zuzusehen. Überhaupt sind immer ganz viele Kinder auf den Straßen in den Townships und spielen Fußball, springen Seil oder toben wild umher. Von einem Tanzlehrer, der ebenfalls in einem Township aufgewachsen ist, habe ich erfahren, dass viele Eltern sich wenig Sorgen um ihre Kinder machen und froh sind, wenn sie für ein paar Stunden ihre Ruhe haben. Daher finde ich auch Projekte, wie Dance for All sehr wichtig, da die Kinder in ihrer freien Zeit etwas Sinnvolles tun und nicht, wie ich gehört, aber noch nicht selbst erlebt habe, irgendwelche Drogen nehmen und zum Teil auch kriminell werden.
Nach dem Unterricht mussten wir noch warten, bis sich alle Mädchen umgezogen haben. Währenddessen habe ich mir Musiknoten auf der Tafel angeschaut und wollte auch zur Kreide greifen und etwas auf die Tafel malen, aber das mochte ich dann doch nicht tun. Wenn ich im Township bin, denke ich immer, dass die Menschen hier schon genug Geldprobleme haben und möchte daher nichts unnötig verschwenden. Auch wenn mir jemand etwas zu essen oder trinken anbietet, was häufig vorkommt, bin ich immer erst noch am Zögern und denke nein, iss das ruhig selbst, ich kann mir das jederzeit selbst leisten. Aber immer zu verneinen wäre unhöflich, daher nehme ich es meistens dankend an.
Der nächste Artikel erscheint, wie schon gesagt, am Donnerstag, den 03.11.2011.
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