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Glück im Unglück – Teil 2

Observatory. Am Ende war alles gar nicht mehr so schlimm.

 

Dass die Kreditkarte so leicht gesperrt werden konnte, war schon erst mal eine Erleichterung für mich. Aber es war trotzdem ein schreckliches Gefühl, nicht zu wissen, wie man nach Hause kommen kann, dass man mehr oder weniger alleine mit der Situation dasteht und zusätzlich noch nicht einmal die Landessprache beherrscht. Ich kann das alles gar nicht niederschreiben, was mir in diesen Stunden alles durch den Kopf gesaust ist. Es war auf jeden Fall viel zu viel, sodass ich mehrere Tage danach Bauchkrämpfe hatte, sensibel und erschöpft war. Aber zurück zu Vilanculos. Nachdem ich mehrere wichtige Telefonate geführt hatte, bin ich ins Bett gegangen, um wieder runterzukommen und mich auszuruhen. Ich hatte den Norwegern und auch an der Rezeption Bescheid gegeben, dass sie auf jeden Fall zu mir kommen sollen, wenn sich irgendetwas ereignet. Um ca. 0.00 Uhr nachts kamen sie mit meiner Hüfttasche in der Hand zu mir. Ich konnte es zwar nicht glauben und ich kann es auch immer noch nicht, aber der Minibus ist wohl in der Nacht zurückgekehrt und hat meine Tasche mit den Wertsachen vor dem Backpacker ins Gebüsch geworfen. Als ich die Tasche aufgemacht habe, war auch noch alles drin, nur das Geld fehlte.

Andere Urlauber, die das ganze Spektakel mitbekommen haben, glauben, dass der Mann, von dem ich auch das Handy zum Telefonieren bekommen habe, seine Finger im Spiel hatte. Er ist in der Touristikbranche aktiv und verkauft wohl auch Immobilien. Auf jeden Fall kennt er alle Einwohner von Vilanculos und jeder kennt ihn. Und da er an diesem Abend zwischenzeitlich für zwei Stunden verschwunden ist, wäre es theoretisch auch möglich. Ich habe ihn natürlich darauf angesprochen und gefragt, ob er das alles organisiert hat, aber er verneinte, was mir die Urlauber schon vorausgesagt haben. Sicher ist jedenfalls, dass ich bezüglich des Reisepasses unglaubliches Glück hatte.

Am nächsten Tag haben sich noch immer alle ganz lieb um mich gekümmert und mir wurde auch Geld für einen Reisebus nach Maputo geliehen, um meine Freunde zu treffen. Kurz bevor ich losgefahren bin, habe ich sogar noch über dreißig Euro im Sand gefunden. Fast schon zu viel Glück.   

Insgesamt bin ich eigentlich froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Vielleicht klingt das jetzt doof, aber ich habe mir vor meiner Ausreise gewünscht, dass ich auch negative Erfahrungen machen werde. Wenn es ein nächstes Mal geben sollte, möchte ich es aber nicht wieder ohne Freunde oder Familie durchstehen müssen. 

 

Artikel vom 20.01.12 - 11:52 Uhr
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